auch in diesem Jahr, 80 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, kamen viele Menschen nach Ladelund, um gemeinsam am Volkstrauertag derer zu gedenken, die im Schatten von Krieg und Gewalt ihr Leben verloren haben. Viele der Teilnehmer*innen kamen aus den Niederlanden.
Nach dem Gottesdienst wurden Kränze an den Gräbern der im KZ Ladelund umgekommenen Häftlinge gelegt. Im Anschluss fand das Gedenken an die gefallenen Soldaten an den Ehrenmalen in Ladelund und Westre statt.
Beim gemeinsamen Mittagessen im Ladelunder Pastorat gab es Grußworte von verschiedenen Personen.
In der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte fand anschließend bei Kaffee und Kuchen der traditionelle Tausch zweier Bilder der Künstlers Uwe Appold statt.
Die in der Gedenkstätte Anwesenden nutzten die Zeit für gemeinsame Gespräche.
Auch in diesem Jahr machte sich eine Gruppe aus Ladelund auf den Weg nach Putten, um an der Gedenkfeier der Razzia vom 2. Oktober 1944 teilzunehmen. Unterwegs stiegen noch zwei Ehrenamtliche aus Kaltenkirchen und Neuengamme dazu.
Die Veranstaltung begann mit einem Treffen im dortigen Versammlungshaus „De Aker“ bei Kaffee und Kuchen. Danach gingen die Teilnehmer aus den Niederlanden und Deutschland zum Erinnerungsplatz. Dort wurden bei der „Frau von Putten“ viele wunderschöne Blumenkränze und Gestecke zum Gedenken an die Opfer der Razzia vor 81 Jahren niedergelegt.
Im Anschluss trafen sich alle erneut im Versammlungshaus zum gegenseitigen Austausch und netten Gesprächen bei einem leckeren Abendessen. Dort fand auch traditionell der Tausch zweier Bilder des Künstlers Uwe Appold statt. Zum Volkstrauertag in Ladelund wird ein weiteres Bild getauscht, dass dann von den Gästen aus Putten mitgebracht wird.
Kranzniederlegung bei der „Frau von Putten“
Tausch der Bilder
Gruppe von Teilnehmenden aus Ladelund, Neuengamme, Wedel, Husum und Kaltenkirchen zusammen mit unseren Freunden aus Putten
Der Organisationsverbund „Rechte Tendenzen im ländlichen Raum“, dem wir seit Jahren angehören, lädt am 25.9.2025 zu einem online Vortrag um 18.30 ein. Es wird um das Thema gehen, wie Medien mit der AfD umgehen.
Wie in jedem Jahr stand er erste Samstag im September ganz im Zeichen des Freundeskreistreffens. Am ersten Samstag nach dem Antikriegstag (1. September) treffen sich die Mitglieder des Freundeskreises der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte in Ladelund, um zu erfahren, was im letzten Jahr in der Gedenkstätte passiert ist und einander zu treffen. So auch in diesem Jahr. Wir haben uns gefreut, viele vertraute Freunde aus Deutschland und den Niederlanden zu treffen.
Nach einer gemeinsamen Andacht im Garten der Begegnung (bei schönem Sonnenschein), fand im Pastorat das eigentliche Treffen des Freundeskreises statt. Von der Gedenkstätte hat Katja Happe Bilder vom ersten Besuch von Angehörigen aus Putten am 24. Oktober 1950 gezeigt. Dieses Datum hat vor 75 Jahren den Beginn der Versöhnungs- und Gedenkarbeit markiert. Seitdem besteht die Verbindung mit Putten, die in den folgenden Jahren und Jahrzehnten immer intensiver geworden und gewachsen ist. Nach einem weiteren Austausch unter den Mitgliedern des Freundeskreises gab es die wie immer leckere Suppe zur Stärkung aller Beteiligten.
Am Nachmittag bestand die Möglichkeit, einen Kaffee in der Gedenkstätte zu trinken und einen Blick auf die diesjährige Sommerausstellung mit dem Titel „Das Unvorstellbare zeigen“ zu werfen. In der Sommerausstellung, die für den Freundeskries bis in den September zu sehen war, haben sich 10 internationale Zeichenkünstler mit biografischen Geschichten aus dem Holocaust zeichnerisch auseinandergesetzt.
Neben fast 20 „regulären“ Besucher*innen hat ein großer Teil der Mitglieder des Freundeskreises die Chance zum Besuch der Gedenkstätte und der Sommerausstellung genutzt.
Unter diesem link https://www.hopeanddespair.dk/de/ finden Sie Informationen zu dem von der EU geförderten Interreg-Projekt „Hope & Despair“ an dem sich Gedenkstätten und Museen aus Deutschland und Dänemark beteiligen. Über den link können Sie schnell Informationen zu den einzelnen Orten finden, um vielleicht Ihren Besuch zu planen.
Heute geht es um Emilio Angelo Gorletti, geboren am 9.10.1911 in Rombas (Lothringen). Er starb am 8.12.1944 in Ladelund.
Der Name „Emilio Angelo“ lässt auf den ersten Blick eine Herkunft aus Italien vermuten. Doch wie bei vielen zunächst offensichtlich erscheinenden Hinweisen, leitet diese Annahme in die Irre. Emilio Angelo Gorletti war Franzose. Er wurde in Lothringen geboren, als letzter Wohnort steht Tremery, ebenfalls in Lothringen gelegen, in den Dokumenten zu seinem Namen. Vermutlich war er Mitglied der französischen Resistance und wurde im Juni 1944 als Widerstandskämpfer verhaftet.
Über ein Gefängnis in Metz gelangte er in das KZ Natzweiler und wurde von dort über das KZ Dachau Ende Oktober 1944 in das KZ Neuengamme deportiert. Von dort gelangte er im November in das KZ Ladelund, wo er am 8. Dezember 1944 aufgrund der Entbehrungen, der schweren Arbeit, der Misshandlungen und der schlechten Versorgung starb. Pastor Meyer begrub ihn in Grab Nr. 8.
Die Frage seiner Herkunft, d.h. ob er aus Frankreich oder vielleicht doch aus Italien stammte, scheint schon seinen Zeitgenossen unklar gewesen zu sein. In einer Übersicht der verschiedenen Haftorte, die vermutlich aus dem KZ Neuengamme stammt, wird er als Sch (= Schutzhäftling) Franz ital. geführt. Auch das KZ Dachau registrierte ihn als Italiener. Doch sein Geburts- und Wohnort weisen eindeutig auf seine franz. Herkunft hin.
Emilio Angelo Gorletti ist damit einer derjenigen Häftlinge, die uns bei unseren Recherchen immer wieder vor Herausforderungen stellen. Seinen Lebensweg nachzuvollziehen (er war verheiratet und hatte zwei Kinder), ist eine spannende Aufgabe, und die vorgefundenen Daten weisen einmal mehr darauf hin, dass es immer möglichst viele Dokumente unterschiedlicher Herkunft sind, die zum tatsächlichen Gesamtbild beitragen.
Heute stellen wir die Biografie eines Häftlings des KZ Ladelund vor. Es geht um Jan Kamphorst, geboren am 2.4.1910 in Nijkerk (NL) in der Nähe von Putten. Er starb am 25.11.1944 in Ladelund. Jan Kamphorst war von Beruf Kaufmann, er war seit 1935 verheiratet und hatte vier Kinder. Als männlicher Einwohner von Putten (NL) gehörte er zur Gruppe derjenigen Männer, die nach dem Anschlag vom 2. Oktober 1944 verhaftet und deportiert wurden.
Immer wieder kommen Angehörige nach Ladelund, um die Gräber ihrer Lieben zu besuchen. Mittlerweile sind es nur noch selten die Kinder der Toten, sondern vielmehr Enkelkinder, Großneffen und -nichten. Wann immer Angehörige kommen, bieten wir an, die Fotos und Dokumente, die wir zu ihrem Verwandten gesammelt haben, auszudrucken oder per mail zu verschicken. Vielfach sind die Unterlagen in der Familie gar nicht bekannt!
Vor kurzem war eine Tochter von Jan Kamphorst auf dem Weg zum Urlaub in Skandinavien in der Gedenkstätte. Wie immer haben wir die Dokumente zu Jan Kamphorst ausgedruckt und der Tochter übergeben. Am Tag darauf war die Tochter mit ihrem Mann zurück in der Gedenkstätte mit der Aussage, in den Dokumenten stimme etwas nicht. Und tatsächlich war auf einem Dokument aus dem Lager Amersfoort vermerkt, dass Jan Kamphorst am 9.3.1944 verstorben sei… Hmmm, das konnte so nicht sein, denn das KZ Ladelund bestand erst ab dem 1.11.1944 und Jan Kamphorst wurde hier, in Grab Nr. 7, am 25. oder 26.11.1944 begraben.
Eine Nachfrage in der Gedenkstätte Amersfoort ergab, dass die Nummer 7759 auf dem Dokument nicht nur Jan Kamphorst zugeordnet werden konnte, sondern davor schon einmal vergeben worden war. Aber nicht nur die Angehörigen erfuhren Neues zu Jan Kamphorst, auch wir lernten, dass die Mutter und die Schwester von Jan Kamphorst schon im Oktober 1950, als zwei Busse aus Putten Angehörige nach Ladelund brachten, mitgefahren waren, um das Grab ihres Sohnes bzw. Bruders zu besuchen. Dieser erste Besuch von Angehörigen aus Putten jährt sich in diesem Jahr zum 75. Mal. Seitdem besteht die Beziehung zu den Angehörigen aus Putten, aus der sich so intensive Freundschaften entwickelt haben.
Die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte in Ladelund bietet zusätzlich zu den regulären Öffnungszeiten (Di.- Fr. v. 10-16 Uhr) auch an den Wochenenden und an Feiertagen Interessierten die Möglichkeit, in der Zeit von 14-16 Uhr die Gedenkstätte zu besuchen. Diese Zeiten werden normalerweise von ehrenamtlich Tätigen abgedeckt. Die Aufgabe der Ehrenamtler*innen besteht darin, die Besucher*innen zu begrüßen und eine kleine Einführung zur Geschichte der Gedenkstätte zu vermitteln. Unterstützend dazu besteht die Möglichkeit, den Gästen einen 10-minütigen Film zu zeigen. Die eigentliche Ausstellung erklärt sich von selbst.
Die Ehrenamtler*innen übernehmen die Aufsichten entweder am Samstag oder am Sonntag in einem vier- bis sechswöchigem Rhythmus und natürlich immer nach Absprache.
Um diese Tätigkeit ausüben zu können, würde vorab eine kleine Schulung erfolgen.
Wer etwas Zeit zu verschenken hätte und sich für die Gedenkstättenarbeit interessiert, ist herzlich dazu eingeladen, sich unverbindlich bei uns in der Gedenkstätte zu informieren. Gerne beantworten wir auch alle Fragen telefonisch oder per email.
Kontakt: Dr. Katja Happe – Leiterin der Gedenkstätte Raiffeisenstraße 3 25926 Ladelund
Sommer-Ausstellung in der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund
„Das Unvorstellbare zeigen“
In diesem Jahr betritt die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund neue Wege mit der jährlichen Sommerausstellung und zeigt eine „Graphic Novel“.
Zehn zeitgenössische Zeichner*innen aus den Niederlanden, aus Deutschland und Belgien haben zu dem Graphic Novel-Projekt „Das Unvorstellbare zeigen“ beigetragen. Unter anderem hat Melanie Kranenburg die Geschichte der Razzia von Putten gezeichnet und erzählt in ihren Bildern die Geschichte.
Startpunkt des Graphic-Novel-Projektes war ein achtzig Jahre alter Comic, den der niederländische Historiker Dr. Kees Ribbens neu entdeckt hat. Aus der Beschäftigung mit dieser kurzen Bilderzählung entwickelten zehn Zeichner*innen eigene Comics. Das Projekt wurde begleitet von intensiven Gesprächen vor allem über Darstellbarkeit von Gewalt. „Die Zugänge sind unterschiedlich“, sagt Dr. Alexandra Köhring von der Stiftung Hamburger Gedenkstätten. So kann in der Ausstellung eine Vielfalt von Möglichkeiten entdeckt werden, sich Geschichte über Zeichnungen zu erschließen.
Wir freuen uns, die Ausstellung „Das Unfassbare zeigen“ vom 17. Juli bis Anfang September 2025 zeigen zu können. Die Eröffnung am 22.7. um 19.00, zu der wir herzlich einladen, wird von Dr. Alexandra Köhring durchgeführt, die das gesamte Projekt eng begleitet hat. Und im September wird auf einer gesonderten Veranstaltung, zu der wir noch einladen, Dr. Kees Ribbens über die Darstellung des Holocausts in Comics reden.
Wir freuen uns sehr, wenn wir am 22.7.2025 um 19.00 viele Besucher zur Eröffnung der Ausstellung begrüßen können.
Bitte geben Sie uns eine Rückmeldung, wenn Sie an der Veranstaltung teilnehmen möchten.
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