Ankündigung des Volkstrauertages 2021 in Ladelund

Fangen wir mit einem Rückblick an.
Seit Jahrzehnten ist der Volkstrauertag im November ein wichtiger Tag im Kalender der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte und auch im Kalender der kirchlichen und politischen Gemeinde. An diesem Tag kommen schon seit langem unsere Freunde aus Putten und viele andere Menschen, die mit der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte eng verbunden sind, nach Ladelund, um gemeinsam der Toten von Krieg und Gewalt und hier in Ladelund vor allem der im KZ Ladelund ermordeten Männer zu gedenken.

Im November 2019 jährte sich die Ermordung der Männer im KZ Ladelund zum 75. Mal. An diesem besonderen Tag haben die Gemeinden Putten und Ladelund ihre offizielle Gemeindepartnerschaft geschlossen. Der Weg zwischen dem ehemaligen Lagergelände und der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte heißt seitdem offiziell „Weg des Gedenkens“. Das Gedenken an den Gräbern fand am 17. November 2019 im Beisein vieler Menschen statt.

Gedenken vor den Gräbern in 2019

Und dann kam Corona und das Gedenken im Jahr 2020 musste aufgrund von offiziellen Vorgaben und Einschränkungen aufgrund der Pandemie ganz anders aussehen.
Der Volkstrauertag im November 2020 war ein kalter, klarer Tag mit viel Sonnenschein. Unsere niederländischen Freunde konnten aufgrund der Corona-Situation nicht nach Ladelund kommen und wir durften uns nur mit insgesamt 10 Personen und auf Abstand an den Gräbern treffen, um der Toten zu gedenken. Es war eine sehr ungewohnte und traurige Situation.

„Gedenken auf Abstand“ im Jahr 2020

Und dieses Jahr?
Auch wenn Corona immer noch unseren Alltag in vielerlei Hinsicht bestimmt, dürfen wir zusammen der Toten gedenken. Freunde aus den Niederlanden werden nach Ladelund kommen und wir werden das gemeinsame Gedenken wieder miteinander begehen können. Natürlich noch in kleinerem Rahmen und unter Einhaltung einiger Regeln, aber es fühlt sich ein bisschen wie ein Neubeginn des gemeinsamen Gedenkens an.

Der Volkstrauertag, der dieses Jahr am 14. November ist, wird mit einem gemeinsamen Gottesdienst in der St. Petri Kirche in Ladelund beginnen. Daran anschließend werden wir uns an den Gräbern der Ermordeten des KZ Ladelund zum Gedenken versammeln, bevor die Ehrenmäler in Ladelund und Westre aufgesucht werden. Das gemeinsame Gedenken werden wir traditionell mit einem Essen im Pastorat in Ladelund und, wer will, mit einem koppje koffie in der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte ausklingen lassen.

Dazu aber noch einige organisatorische Regeln:

  • Wir bitten alle, die teilnehmen wollen, um eine Anmeldung bis zum 5.11.2021 unter folgender Adresse: info@kz-gedenkstaette-ladelund.de
  • An allen innerhäusigen Ladelunder Stätten dieses Gedenktages gelten die 3-G-Regeln.
    Wir dürfen nur Gäste einlassen, die den Nachweis einer vollständigen Impfung, einer Genesung oder eines aktuellen Testergebnisses erbringen können.

Trotz dieser Einschränkungen und Regeln freuen wir uns, den Volkstrauertag erneut mit Gästen und Freunden begehen zu können, gemeinsam zu gedenken, aber auch einfach mal wieder zusammen zu sein.

Einladung zur Film-Veranstaltung

Endlich ist es mal wieder so weit, die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund kann zu einer Veranstaltung einladen – die erste nach den Einschränkungen von Corona. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Rechte Tendenzen im ländlichen Raum“ möchten wir alle Interessierten in das Kino in Leck einladen.

Am Montag, den 18.10.2021, zeigen wir um 19:00 den Film

„Stumpfe Sense – Scharfer Stahl, Bauern, Industrie und Nationalsozialismus“
Regie: Quinka Stoehr, Kay Ilfrich und Jens Schmidt, 90 Min., D 1990

Die Fahne der Landvolkbewegung

Im Anschluss an die Vorführung wird die Regisseurin Quinka Stoehr für Fragen und ein Gespräch im Kino zur Verfügung stehen,.

Zum Inhalt des Films:
1928 beginnen die Bauern in Schleswig-Holstein angesichts einer tiefgreifenden Agrarkrise gegen die Staatsgewalt zu rebellieren. Mit dem Boykott von Zwangsversteigerungen, schließlich auch mit Bomben kämpfen sie um den Erhalt ihrer Höfe. Die Landvolkbewegung wird für kurze Zeit zum politischen Hoffnungsträger und zugleich zum Ausdruck einer fundamentalen Opposition zum Weimarer Staat.

Der Film „Stumpfe Sense – Scharfer Stahl, Bauern, Industrie und Nationalsozialismus“ rekonstruiert die schleswig-holsteinische Landvolkbewegung Ende der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts und zeigt die Ursachen der Radikalisierung der Bauern. Wie in einem Brennglas werden anhand dieser regionalen Protestbewegung die Entstehungsbedingungen des deutschen Faschismus minutiös beleuchtet.

Zeitzeugen sind Margarete Hamkens, Witwe des Landvolkführers Wilhelm Hamkens, Peter Petersen (Erfinder der Landvolkfahne, Symbol der Landvolkbewegung (schwarzer Pflug und rotes Schwert) und später Funktionär im Reichsnährstand), Alfred Sohn-Rethel (Sozialphilosoph) und Pep Bergmann (Mitglied der KPD-Opposition). Die Erinnerungen der Zeitzeugen kommentieren sich gegenseitig und vermitteln ein differenziertes Bild dieser Zeit.

Ergänzt werden die Erzählungen der Zeitzeugen mit Fotos und Archivmaterial. Dafür haben Stoehr/Schmidt und Ilfrich alle Film- und Fotoarchive sowie private Fotoalben durchforstet und sind dabei auf zahlreiches Bildmaterial gestoßen, das sie als erste veröffentlicht haben. Der Film ist ein Zeitdokument, mittlerweile sind alle genannten Zeitzeugen schon lange verstorben.

Proteste der Bauern

Die Veranstaltung wird organisiert durch den Kreisjugendring Nordfriesland, das Eiderstedter Forum, das Evangelische Regionalzentrum Westküste, die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund, den Kirchenkreis Nordfriesland, das Regionale Beratungsteam gegen Rechtsextremismus Flensburg des AWO Landesverbandes SH e.V., das Diakonische Werk Husum und Fremde brauchen Freunde e.V.

Die Veranstaltung findet im DELI-Kino in Leck (Markt 6) statt. Es gelten die 3G-Regeln (Stand 20.9.2021).
Eine Anmeldung unter flensburg@rbt-sh.de ist erforderlich.
Der Eintritt ist nach Anmeldung frei, es wird um eine Spende gebeten.

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Gedenken an die Opfer des Überfalls auf die Sowjetunion vom 22. Juni 1941

Am 22. Juni 2021 jährt sich der Überfall auf die Sowjetunion durch das nationalsozialistische Deutschland zum 80. Mal. In den Jahren 1941 bis 1945 erfuhren die Bürger und Soldat:innen der Sowjetunion unendliches Leid. Nach neueren Schätzungen starben mehr als 20 Millionen Menschen – Männer und Frauen, Zivilist:innen und Soldat:innen durch systematische Mordaktionen, in Kriegsgefangenschaft, Zwangsarbeit, militärische Gewalt und gezielte Nicht-Versorgung der Bevölkerung und der Gefangenen. Der Tag des Überfalls gilt als schwarzer Tag in der Geschichte der damaligen Sowjetrepubliken.

Auch in Deutschland und in Schleswig-Holstein starben tausende von Sowjetbürger:innen. Ihre Gräber finden sich an vielen Orten. Durch die Initiative „Blumen für Gudendorf“, die sich um die Gedenkstätte Gudendorf kümmert, wurden für den 22. Juni dieses Jahres landesweit Gedenkveranstaltungen angeregt.

Auch im KZ Ladelund starben Ende des Jahres 1944 über ein Dutzend Männer aus Russland. Sie wurden wie alle anderen Toten aus dem KZ in der Nähe der Kirche bestattet. An ihr Leid und ihr sinnloses Sterben erinnern wir am 22. Juni.

Die Leiterin der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund legt zusammen mit dem stellvertretenden Bürgermeister von Ladelund, Jan Obernauer, Blumen an den Gräber der Toten nieder, um an den millionenfachen Mord zu erinnern, der durch den Überfall am 22. Juni 1941 begann.

#everynamecounts

Die Arolsen Archives sind für die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte ein wichtiger Ansprechpartner, wenn es um Informationen zu den im KZ Ladelund inhaftierten Personen geht. In diesem Archiv im nordhessischen Bad Arolsen werden seit kurz nach Kriegsende von 1946 an Informationen zu allen Personen gesammelt und archiviert, die während der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland aus ganz Europa verfolgt, verschleppt und oft ermordet wurden.
Die Arolsen Archives sind aus dem International Tracing Service des Internationalen Roten Kreuzes hervorgegangen. Zu den Informationen, die in Bad Arolsen gesammelt werden, gehören biografische Informationen zu deportierten und ermordeten Personen, zu ihrem Deportationsweg und zu den Orten nationalsozialistischen Terrors. Zu den sogenannten Effekten, das sind die den Deportierten abgenommenen Besitztümer (Fotos, Schmuckstücke, Briefe, Portemonnaies…), haben die Arolsen Archives die Wanderausstellung „Stolen Memory“ erstellt, die im August 2021 auch in Ladelund zu sehen sein wird.


Container mit der Ausstellung „Stolen Memory“ ©Arolsen Archives

Ein weiteres großes Projekt der Arolsen Archives läuft unter dem Titel „Every Name Counts“ (https://enc.arolsen-archives.org/ueber-everynamecounts/). Bei dieser Initiative geht es darum, Verfolgten des Nationalsozialismus ein digitales Denkmal zu errichten. Die Arolsen Archives haben Archive und Gedenkstätte bundesweit aufgefordert, sich daran zu beteiligen.  Die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte ist Partner dieses Projekts.

Auf dieser Webseite finden sich weitere Informationen zu dem Projekt

Um möglichst viele Partner und Gedenk-Initiativen vorzustellen, werden die Social Media Kanäle der Arolsen Archives ab dem 8. Mai jeden Tag von einer anderen Gedenkstätte oder einem anderen Ort „übernommen“.  Für die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte war der Tag des „Takeover“ der 27. Mai 2021. An diesem Tag wurden zwei Insta-Stories über die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte gepostet. Auch die Twitter- und Facebook-Profile der Arolsen Archives wurden mit Beiträgen aus Ladelund bespielt.

Anfangsbild der ersten Insta-Story über Ladelund bei den Arolsen Archives

Wir möchten die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte dadurch bundesweit bekannter machen und sind sehr gespannt auf Reaktionen.

Zum ersten Mal als Gedenktag in Schleswig-Holstein – Der 8. Mai 2021

Zum ersten Mal ist der 8. Mai (der Tag der Befreiung, des Kriegsendes und der deutschen Kapitulation 1945) ein Feiertag in Schleswig-Holstein. Unter Federführung der Landesarbeitsgemeinschaft Gedenkstätten und Erinnerungsorte in Schleswig-Holstein e.V. (LAGSH) konnte erreicht werden, dass der Landtag von Schleswig-Holstein diesen Tag zu einem landesweiten Feiertag erklärte. Damit hat die Landesregierung ein wichtiges Signal gesetzt und die Bedeutung dieses Tages für Gesellschaft und Politik deutlich aufgewertet. Dass andere europäische Länder diesen Tag des Sieges über Nazi-Deutschland und die Befreiung von der terroristischen Gewaltherrschaft feiern, ist dort seit langem Tradition. In Deutschland wurde der Tag in den ersten Jahrzehnten nach Kriegsende noch als Tag der Niederlage und Kapitulation gesehen.
Erst die Rede des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985 zur vierzigsten Wiederkehr dieses Tages markierte einen deutlichen Wendepunkt in seiner Wahrnehmung und löste eine gesamtdeutsche Debatte über die Bedeutung dieses Tages aus. Von Weizsäcker bezeichnete den 8. Mai in seiner Rede als „Tag der Befreiung […] von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“

https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Richard-von-Weizsaecker/Reden/1985/05/19850508_Rede.html (hier der vollständige Text der Rede von Richard von Weizsäcker)

In den Jahrzehnten seit der Rede von Weizsäckers ist die Bedeutung des 8. Mai als Tag der Befreiung immer stärker hervorgetreten. So ist es nur folgerichtig, dass Im gesamten Land Schleswig-Holstein an diesem Tag an die Befreiung 1945 erinnert wird und sich die Mitglieder der Gesellschaft bewusstwerden, was in den fast 8 Jahrzenten seitdem erreicht wurde. Wir leben in einer freien und demokratischen Gesellschaft, in der die persönliche Entfaltung jedes Einzelnen, seine/ihre Würde gewahrt werden und im Grundgesetz verankert sind. Freie Meinungsäußerung ist ebenso möglich und selbstverständlich.

In der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund arbeiten wir bei allen Führungen und Aktionen daran, die Bedeutung der Befreiung hervorzuheben. Wir verdeutlichen unseren Besucher*innen, dass wir thematisch an dunkles Kapitel der deutschen Geschichte erinnern, verbinden dies aber immer damit, damit das heutige gesellschaftliche Zusammenleben hinzuweisen, die positiven Entwicklungen hervorzuheben und die Besucher*innen aufzufordern, selbst weiter darüber nachzudenken, wie sie diese freie und demokratische Gesellschaft weiter schützen und fördern können. In diesem Sinne erinnern wir auch in diesem Mai an den Tag der Befreiung von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im Jahr 1945.

Frühlingsbeginn im Garten der Begegnung

So langsam kommt der Frühling auch nach Nordfriesland. Die Sonne scheint und am 23.4. waren gut ein Dutzend Freunde und Ehrenamtler*innen eifrig dabei, den Garten der Begegnung frühlingsfit zu machen. Ein schöner Tag, an dem im Freien und im Sonnenschein gut gearbeitet werden konnte.

Schon am Vormittag hatte der Küster unserer Kirchengemeinde St. Petri Ladelund damit begonnen, die Gartenfläche zu vertikutieren und den Boden damit für die neuen Blumensamen vorzubereiten.

Am Nachmittag ging es dann los. Die Fläche wurde gesäubert und der Abfall des Vertikutierens zusammengerecht. Viele Hände befreiten die Wege des Gartens von Unkraut. Auch sie wurden gerecht und geglättet.

Alle Helfer waren eifrig dabei, es wurde gearbeitet und geschnackt, beraten und erzählt. Bevor dann die Saat ausgebracht wurde, hatten sich alle eine Pause verdient.

Unsere niederländischen Freunde konnten aufgrund der Corona-Einschränkungen nicht bei uns sein, um am Garten mitarbeiten. Wir haben Euch vermisst. Und doch wart Ihr da!! In Gedanken auf jeden Fall, das haben wir gemerkt. Aber es gab auch noch eine Überraschung!! Denn in der Pause konnten alle einen leckeren Kuchen genießen, der von der Stichting Samen Verder für uns bestellt worden war. Er war lecker! Und wir haben uns alle so sehr gefreut!! Vielen Dank dafür!!

Nach der wohlverdienten Pause ging es dann weiter. Die Blumensamen kamen in die Erde und vor dem Wässern wurde der gesamte Garten einmal gewalzt, damit die Samen gut in die Erde gedrückt wurden.

Am Abend kamen auch die Bienenvölker aus ihrem Winterquartier in den Garten der Begegnung zurück. Jetzt müssen wir nur noch warten, dass die Samen aufgehen und der Garten der Begegnung wie in den letzten Jahren farbenfroh und üppig zu blühen anfängt. Dann werden unsere Bienen wieder genug Blüten für ihre Honigproduktion haben.

Bis dahin drücken wir die Daumen für warmes Wetter, Sonnenschein und auch ab und an ein bisschen Regen, damit die Blumen gut gedeihen!
Wir werden sicher fast jeden Tag nachschauen, ob sie schon ein bisschen gewachsen sind!

Vortrag von Dr. Stephan Linck

Dr. Stephan Linck wird Vielen in Ladelund und Umgebung, die sich für die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte interessieren, persönlich, durch seine hier gezeigte Ausstellung und seine Bücher bekannt sein. Wir freuen uns sehr, dass Stephan Linck in dem Veranstaltungs-Format „Rechte Tendenzen im ländlichen Raum“, an dessen Planung und Durchführung sich auch die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte beteiligt, einen Vortrag halten wird. Wie vieles in dieser Zeit wird auch dieser Vortrag digital stattfinden. Der offizielle Einladungstext steht unten. Wir hoffen, dass das Thema von Stephan Linck viele interessierte Zuhörer finden wird!

Dr. Stephan Linck in Ladelund

05.05.2021, 18:30 Uhr

Referent: Dr. Stephan Linck, Studienleiter für Erinnerungskultur und Gedenkstättenarbeit,

Evangelische Akademie der Nordkirche

Rechtsradikalismus im ländlichen Raum in der Weimarer Republik

Wieso begann der Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein seinen Siegeszug auf dem Land? Wieso war der Nährboden für Rechtsradikalismus auf dem Land für die Nationalsozialisten fruchtbarer? Wenn wir verstehen wollen, weshalb die Provinz Schleswig-Holstein früh zum Stammland der NSDAP werden konnte, müssen diese Fragen beantwortet werden.
Der Vortrag versucht, Erklärungsansätze zu geben, und lotet aus, wie weit das protestantische Milieu hierbei einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung hatte. Davon ausgehend soll die Frage aufgeworfen werden, wie sich die Mentalität nach dem 8. Mai 1945 änderte oder ob sich nicht antidemokratische und antisemitische Denkstrukturen weiter erhielten.

Die Veranstaltung wird organisiert durch den Kreisjugendring Nordfriesland, das Eiderstedter Forum, das Evangelische Regionalzentrum Westküste, die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund, den Kirchenkreis Nordfriesland, das Regionale Beratungsteam gegen Rechtsextremismus Flensburg des AWO Landesverbandes SH e.V., das Diakonische Werk Husum und Fremde brauchen Freunde e.V.

Die Veranstaltung findet via Zoom statt. Eine Anmeldung unter flensburg@rbt-sh.de ist erforderlich. Der benötigte Zoom-Link wird allen Angemeldeten rechtzeitig vor dem 05.05.20 zugeschickt.

Ruhige Osterfeiertage

So langsam erwacht die Natur zum Leben. Die Sonne scheint und die Temperaturen verlassen die Minusgrade: Krokusse, Winterlinge und Schneeglöckchen sind überall zu sehen und zaubern jedem ein Lächeln ins Gesicht.

Auch neben dem Dokumentenhaus der Gedenkstätte gibt es die ersten Blüten

Seit Anfang März ist die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund wieder geöffnet und erfreulicherweise konnten wir einige Besucher*innen bereits begrüßen.


Angesichts der im ganzen Land steigenden Corona-Zahlen und ohne die normalerweise über Ostern hier Ferien machenden Urlauber*innen werden wir die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte an den Osterfeiertagen und an den weiteren Wochenenden des April noch geschlossen halten. Werktags von Dienstag bis Freitag in der Zeit von 10-16 Uhr ist die Gedenkstätte für Besucher*innen geöffnet und wir freuen uns, wenn Sie dann vorbeikommen.

Alles öffnet sich…

Der Frühling kommt mit großen Schritten…
In Ladelund scheint die Sonne, auch wenn es morgens noch immer richtig kalt ist. Die Tulpen im Garten haben schon ausgetrieben und die ersten Frühlingsblüher finden sich auf den Beeten im Garten der Begegnung.

Eine Krokusblüte im Garten der Begegnung

Und mit dem Sonnenschein draußen steigen auch die Hoffnungen, dass dieses Jahr besser wird als das letzte. Wir hoffen, wieder Besucher in der Gedenkstätte begrüßen zu können und hoffen auf Schulklassen und Konfirmanden, mit denen wir die Verbindung von Geschichte und Gegenwart diskutieren können. Ferner hoffen wir insgesamt auf sinkende Inzidenz-Zahlen, aufs Geimpft-werden. Darauf, dass wir unsere Freunde mal wieder in den Arm nehmen können, auf Restaurantbesuche, auf Kulturerlebnisse zusammen mit anderen. Und wir in Ladelund hoffen natürlich ganz besonders auf Besucher in der Gedenkstätte. Auf Angehörige aus verschiedenen Ländern. Wir hoffen auf Besuche von Freunden aus den Niederlanden und darauf, dass wir selbst wieder einmal nach Putten fahren können.

Und wir machen einen ersten Schritt. Ab dem 9. März 2021 ist die Gedenkstätte wieder geöffnet. Zunächst für Einzelbesucher. Jedoch können auch Gruppen vorerst bis zu 10 Personen wieder Termine mit uns vereinbaren. Natürlich achten wir auf alle Hygiene-Maßnahmen, um den Besuch für unsere Gäste und für uns selbst so sicher wie möglich zu machen. Wir freuen uns sehr auf Besucher!
In der ersten Zeit können wir maximal 10 Besucher*innen gleichzeitig in die Ausstellung lassen. Wir planen, nach Ostern auch an den Wochenenden wieder zu öffnen und hoffen darauf, dass wir dann nach und nach auch größere Gruppen empfangen dürfen.
Auf unserer Homepage finden sich immer die aktuellen Hinweise bezüglich unserer Öffnungszeiten.

Auch dem Garten der Begegnung werden wir in der nächsten Zeit unsere Aufmerksamkeit widmen. Wir müssen neu säen, damit er im Sommer wieder in voller Blütenpracht erstrahlen und den Bienen im Garten reichlich Futter bieten kann. Wir laden alle Interessierten, die sich bei der Planung und Fortentwicklung des Gartens der Begegnung beteiligen wollen, zu einem Treffen am Freitag, den 26.März um 15.00, in die Gedenkstätte ein (bei schönem Wetter im Garten der Begegnung). Bitte meldet Euch/melden Sie sich in der Gedenkstätte an, wenn ihr/Sie teilnehmen wollt. So können wir die Kaffee- und Kuchenmahlzeit optimal planen.
Als kleinen Vorgeschmack können Interessierte den Garten schon jetzt als Luftbild bei „bing maps“ (danke an Th. Hansen für den Hinweis) finden.

Luftbild vom Garten der Begegnung (bing.maps)

25 Jahre Gedenken an den Holocaust

Seit 1996 ist der 27. Januar der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus – ein bundesweiter Gedenktag, der von Bundespräsident Roman Herzog am 3. Januar 1996 proklamiert und festgelegt wurde. An diesem Tag wurde 1945 das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau von der Roten Armee befreit. Fast zehn Jahre nach der Proklamation Herzogs, im Jahr 2005, erklärten die Vereinten Nationen diesen Tag zum „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“. Seitdem wird er nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern jedes Jahr am 27. Januar begangen, um derer zu gedenken, die durch das nationalsozialistische Regime entrechtet, verfolgt, gequält oder ermordet wurden. 

Das Datum des Gedenkens ist symbolisch. Im Lagerkomplex Auschwitz wurden fast eine Million Juden ermordet, am 27. Januar wird jedoch aller Opfer der nationalsozialistischen Terrorherrschaft gedacht. Insgesamt starben in den Jahren 1940-1945 fast sieben Millionen Menschen (Juden, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, im NS-Jargon sogenannte Asoziale, Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen, die im Rahmen des Euthanasie-Programms T4 ermordet wurden, politische Verfolgte und Mitglieder von Widerstandsorganisationen aus ganz Europa) durch die NS-Herrschaft.

In den Akten des Archivs der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund ist nachweisbar, dass der 27. Januar als Gedenktag ab 1998 kontinuierlich in Ladelund begangen wurde. Die Bandbreite der Vorträge und Veranstaltungen ist beachtlich. Den ersten nachweisbaren Vortrag hielt am 27. Januar 1998 Prof. Uwe Dankert über den „Judenmord im Ostland“. Es folgten Vorträge zu Täter*innen, dem System der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Sinti und Roma als Opfer von Verfolgung und viele andere. Weil die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund von der Nordkirche bzw. ihrer Vorgängerinstitution, der Nordelbischen Kirche, getragen wurde und wird, spielten kirchliche Themen in den Vorträgen immer wieder eine Rolle. So hielt der ehemalige Pastor Ladelunds, Harald Richter, im Januar 2012 einen Vortrag über die „Kirchliche Gedenkstättenarbeit in Ladelund“. Auch das „Altonaer Bekenntnis“ (2013), die Thematik des Kirchenasyls (2016) oder die „Karriere“ des Viöler Gemeindepastors Johann Peperkorn (2005 – „Vom Gemeindepastor in Viöl zum NSDAP Kreisleiter in Niebüll“) spielten eine Rolle neben Themen der Verfolgung und Ermordung des jüdischen Bevölkerungsteils (2006, 2015), der Behandlung von Homosexuellen (2007) und Zeugen Jehovas (2009) im Nationalsozialismus und der Tötung von Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen (2011). Aktuelle Entwicklungen fanden ihren Niederschlag in den Veranstaltungen, so wurde ab 2014 immer wieder über neue rechtsextreme oder antisemitische Tendenzen referiert. Über das Thema „Widerstand“ sprach 2010 Frank Lubowitz, als er über den „Nordschleswiger Jens Jessen im bürgerlichen Widerstand gegen Hitler“ berichtete.  

In diesem Jahr ist vieles anders. 2020 waren zum Vortrag von Klaus Kellmann über 70 Personen in der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund versammelt. Der Vortragsraum und das Foyer waren voller Menschen. Im Jahr 2021 ist das nicht möglich. Wir müssen zur Eindämmung der Corona-Pandemie Abstand voneinander halten; die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte ist seit November 2020 erneut geschlossen und Veranstaltungen sind nicht möglich. Das Gedenken am 27. Januar wird trotzdem stattfinden. Pastor Hans-Joachim Stuck wird mit der Leiterin der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte, Katja Happe, im Laufe des Vormittags Blumen an den Gräbern der in Ladelund 1944 gestorbenen Männer niederlegen.
Wer möchte, kann an diesem Tag gerne zu den Gräbern kommen und der Opfer des Nationalsozialismus gedenken.
Wir werden Kerzen aufstellen, um dem Gedenken einen würdigen Rahmen zu geben. Die Erinnerung wach zu halten und trotz der aktuellen Einschränkungen allen die Möglichkeit zu geben, an diesem Tag der in Ladelund Gestorbenen und aller anderen Opfer der NS-Terrorherrschaft zu gedenken, bleibt eine wichtige Aufgabe der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte.


Als Teil der bundesweiten Flashmob-Aktion „Lichter gegen die Dunkelheit“ leuchtete am 27. Januar 2020 auch in Ladelund eine Kerze an den Gräbern.

In diesem Jahr war ursprünglich eine Veranstaltung mit Quinka Stoehr im Kino in Leck geplant. Dort hätten wir gerne den Film „Stumpfe Sense, scharfer Stahl“ über die Geschichte der Landvolkbewegung gezeigt und mit der Filmemacherin diskutiert. Diese Veranstaltung muss wegen der Corona-Einschränkungen auf einen späteren Termin verschoben werden. Über unsere Homepage und die lokale und regionale Presse werden wir den neuen Termin (hoffentlich im Mai oder Juni) bekanntgeben.

Trotzdem möchten wir allen Interessierten auch in diesem Jahr ein Thema aus der Gedenkstättenarbeit vorstellen.
Im Moment bildet die Erarbeitung neuer Biografien und die Recherche nach weiteren Lebensgeschichten der im KZ Ladelund ermordeten Männer einen Schwerpunkt der Arbeit. Über die Männer aus Putten, die unschuldig nach dem Anschlag am 2. Oktober 1944 aus dem Ort deportiert wurden und von denen ein Großteil in Ladelund ums Leben kam, ist relativ viel bekannt, auch dank der intensiven Forschungen von Pieter Dekker und der Stichting Oktober ’44. Aber weil aus insgesamt zwölf Nationen Gefangene im KZ Ladelund ums Leben kamen, ist es ein Anliegen der Gedenkstättenarbeit, auch den Lebensweg von Männern aus anderen Nationen nachzuzeichnen.

Deshalb möchte ich Ihnen heute Jean-Paul Depalle vorstellen:

Jean-Paul Depalle

Der Franzose wurde am 21. September 1888 geboren und lebte in La Chabanne, einem kleinen Dorf in der Nähe von Vichy und Clermont-Ferrand. Seine Familie mit fünf Kindern wohnte auf einem abgelegenen Bauernhof und bewirtschaftete diesen.  


Der Hof der Familie Depalle im Mai 1940

1975, vor mittlerweile fast 46 Jahren kamen zwei der Töchter von Jean-Paul Depalle zum ersten Mal nach Ladelund und besuchten das Grab ihres Vaters. Eine der Töchter, Jean-Claude Mercier, beschrieb diesen Besuch und die freundliche Aufnahme durch Pastor Richter. Sie hinterließ im Archiv der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte einen Bericht über das Leben ihres Vaters, seine Verhaftung und die Geschichte der Familie.
Der Bauernhof der Familie war abgelegen und bot Widerstandskämpfern der französischen Résistance damit gute Versteckmöglichkeiten. Drei der insgesamt fünf Kinder lebten 1944 noch auf dem Hof der Familie. Die Eltern engagierten sich aktiv in den Reihen des Widerstands. Auf dem Hof bzw. auf einem in der Nähe im Wald errichteten Lager fanden fast 40 Männer Unterschlupf, die nicht zur Zwangsarbeit nach Deutschland gebracht werden wollten. Bei der Beschaffung von Lebensmitteln im nächsten Dorf wurde im Juli 1944 ein Mitglied der Gruppe von deutschen Soldaten verhaftet, die auf der Suche nach einem abgestürzten deutschen Flugzeug waren. Wenige Tage später erschienen deutsche Soldaten auf dem Hof. Es kam zu einer Schießerei, und die Deutschen verhafteten alle Personen, die sie auf dem Hof antrafen. Auch die auf dem Hof lebenden Kinder der Familie wurden in einem Versteck aufgespürt und zusammen mit ihren Eltern fortgebracht. Der Hof wurde geplündert, Lebensmittel mitgenommen und Tiere geschlachtet. Zum Abschluss wurde der Hof in Brand gesteckt.

Ruine des Hofs der Familie Depalle

Die beiden jüngeren Kinder wurden zusammen mit ihrer Mutter im nächsten Ort freigelassen, sie kamen im Haus einer verheirateten Schwester unter und überlebten den Krieg. Der Vater, Jean-Paul Depalle, und der noch auf dem Hof lebende zwanzigjährige Sohn wurden deportiert und kehrten nicht nach Hause zurück. Jean-Paul Depalle kam vermutlich im November 1944 nach Ladelund. Am 11. Dezember 1944 wurde er von Pastor Johannes Meyer im neunten Grab der im KZ Ladelund getöteten Männer beerdigt. Über seinen Weg nach Ladelund ist bisher nichts bekannt genauso wenig wie der Sterbeort seines ebenfalls deportierten Sohnes. Es sind also auch bei der Geschichte von Jean-Paul Depalle noch viele Fragen offen, und es gibt noch viel zu untersuchen.
Was auf jeden Fall bleibt, ist der Bericht der jüngeren Tochter über den Besuch des Grabes ihres Vaters in Ladelund im Archiv der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte. Sie schließt ihn mit den Worten „Ich habe den Bericht ohne Hass geschrieben […], man muss versuchen zu vergeben, sonst ist nichts möglich. Aber ein für alle Mal: ‚Nie wieder Krieg!‘“

Die Auszüge aus der Lebensgeschichte von Jean-Paul Depalle zeigen einen weiteren Aspekt der Geschichte des KZ Ladelund. Neben den vielen politischen Häftlingen, die als Strafmaßnahme nach dem Anschlag in Putten hierher deportiert worden waren, wissen wir mittlerweile, dass es in Ladelund mit Abraham Duits auch einen jüdischen Häftling gegeben hat, der hier ermordet wurde, und mit Jean-Paul Depalle ein Mitglied des französischen Widerstands, der das Lager nicht überlebte. Der Holocaust mit seinen verschiedenen Facetten, der Bestrafung, Erniedrigung, Ausbeutung und Ermordung ganz unterschiedlicher Gruppen von Menschen hat auch in einem so kleinen Konzentrationslager wie Ladelund stattgefunden. Ein Grund mehr, am Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Januar ein Gesteck an den Gräbern niederzulegen und an die Ermordeten dieser Zeit zu erinnern.