Politische Andacht zur Jahreslosung mit der stellvertretenden Ministerpräsidentin des Landes Schleswig-Holstein, Monika Heinold

Die politische Andacht zur Jahreslosung “Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“ fand am 14. März 2022 in der Kirche St. Petri in Ladelund statt.

Die Finanzministerin des Landes Schleswig-Holstein, Frau Monika Heinold, war zu Gast in Ladelund. Vor der Politischen Andacht besuchte sie die KZ Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund und die Gräber der im KZ Ladelund ermordeten Männer.

Die Rede, die Frau Heinold in der Kirche hielt, findet sich im Folgenden:

Liebe Gemeinde, liebe Gäste, meine Damen und Herren,

vielen Dank für die Einladung zur politischen Andacht.

Als ich zugesagt habe, war für niemanden von uns klar, in welchem Ausnahmezustand

sich Europa in diesem März befinden würde.

Wir alle waren – Anfang des Jahres – noch mit Corona beschäftigt, auch wenn wir der Dominanz des Themas längst überdrüssig waren.

Wir freuten uns auf den Frühling. Ich weiß nicht, wie es Ihnen ging,

aber ich dachte zum Jahresbeginn: Aber diesmal wirklich – 2022 werden wir endlich

wieder an die Normalität anknüpfen können. Freunde treffen, unbeschwert feiern,

Familienbesuche ohne Maske und ohne Test. Zurück ins alte Leben.

Und heute?

Nicht nur, dass die Pandemie noch immer nicht vorbei ist, dass die Zahlen steigen,

dass noch immer Menschen – täglich und weltweit – an den Folgen der Pandemie sterben.

Nun ist auch noch der Krieg – mitten in Europa.

Ein russischer Angriffskrieg in der Ukraine, ein Krieg gegen Menschenrechte, gegen Meinungsfreiheit und gegen Demokratie. Ein Krieg, der Leid und Elend mit sich bringt.

Und plötzlich relativieren sich die Corona-Maßnahmen der letzten beiden Jahre.

Die Maßnahmen, die viele von uns als hart empfunden hatten. Die Maßnahmen, die uns gezwungen hatten, auf Reisen, auf Feiern zu verzichten.

Mit der oft als störend empfundenen Maske einzukaufen. An den Test zu denken,

bevor die Mutter im Altersheim besucht werden konnte. All diese Maßnahmen hatten wir als hart – zumindest aber als störend – empfunden. Und wir hatten gesagt: Wir wollen unser altes Leben zurückhaben.

Und jetzt?

Wir wollten unser altes Leben zurück, und hatten dabei gar nicht gemerkt, wie viel wir von unserem alten Leben noch hatten.

Hatten nicht realisiert, was es heißen kann, tatsächlich sein altes Leben komplett zu verlieren.

Merken erst jetzt, dass die Selbstverständlichkeit in Frieden leben zu dürfen, nicht selbstverständlich ist.

Mitten in Europa ist Krieg. Leid, Tod, Zerstörung. Tausende von Menschen sind auf der Flucht. Suchen einen Zufluchtsort.

Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.

Es könnte wohl kaum eine passendere Jahreslosung geben als diese. Sie beschreibt schnörkellos, was jetzt zu tun ist. Menschen aufnehmen, statt sie abzuweisen. Ohne zu fragen, wie viele es sein werden. Ohne zu fragen, wie lange sie bleiben. Ohne zu fragen, wie es gehen soll. Wo wir Wohnraum für sie finden, wie Kitas und Schulen die Herausforderung meisten können. Erzieher*innen, die in den letzten beiden Jahren schon so viel geleistet haben. Lehrkräfte, die gehofft hatten, dass nach Corona, nach dem digitalen Lernen, endlich Normalität in den Schulalltag zurückkehrt.

Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.

Die Jahreslosung beschreibt die Herausforderung, vor der wir stehen, und sie beschreibt zugleich, was gerade in unserem Land – aber auch in ganz Europa – passiert: In Frankreich und Polen, in der Moldau und in Ungarn: Menschen helfen Menschen. Sammeln Geld und Sachspenden, organisieren Hilfskonvois, bieten privat Unterkünfte an, richten Schlafplätze her, beziehen Betten. Für Familie, für Freunde und Bekannte, die alles haben zurücklassen müssen: Heimat, Hab und Gut, vielleicht kranke Verwandte – und vor allem: Ihre Söhne, Männer, Väter, Brüder, Freunde.

Und sie beziehen das Bett auch für Unbekannte: Sie fahren zur Grenze, um Hilfesuchende mit nach Hause zu nehmen, stehen an Bahnhöfen, um eine Unterkunft, eine Dusche, eine warme Mahlzeit anzubieten. An Orten, in denen nicht geschossen wird.

Menschen öffnen Ihre Türen: „Ich werde Dich nicht abweisen!“

Die Jahreslosung besteht gerade den Praxistest.

Und auch Vereine, Kirchen und Wohlfahrtsverbände helfen erneut mit. Kommunen und Land packen gemeinsam an. Bauen auf, auf der Erfahrung, die wir alle gemeinsam 2015/16 gesammelt haben. Knüpfen an die große Aufnahmebereitschaft an, die wir damals – im Syrienkrieg – gezeigt haben. Nutzen damals geschaffene und noch immer vorhandene Strukturen: Unterkünfte für die Erstaufnahme werden reaktiviert. DAZ-Unterricht zum Erlernen der Sprache in den Schulen ist eingeübt. Volkshochschulen, die Sprachkurse anbieten. Bürgermeisterinnen und Ministerpräsident*innen die sagen: Hier ist Platz! Wir organisieren das!

Und so wird der SH Landtag einen Nachtragshaushalt verabschieden, mit dem klargemacht wird: Bei uns wird Humanität nicht am Geld scheitern so wie 2015 und 2016!

Viele packen mit an.

Hier in Schleswig-Holstein.

In einem Land, in dem tausende von Menschen wohnen, deren eigene Familien Flucht und Vertreibung erlebt haben. Und wir erleben, dass Erinnerungen wieder aufflammen.

Bittere Erinnerungen. Dass Verdrängtes plötzlich auftaucht. Dass sich Kinder und Enkel daran erinnern, welche Geschichten Eltern und Großeltern erzählt haben. Aus einer Zeit traumatisierender Fluchterfahrung über die viel zu wenig gesprochen wurde. Auch aus Scham. Weil es schwer war, für das Geschehene Worte zu finden. Und aus einem Krieg und aus Elternhäusern, wo Täter Jahrzehnte geschwiegen haben. Aus einem Krieg, in dem die SS hier im KZ Außenlager in Ladelund mehr als 2000 Häftlinge einpferchte, bei bitterer Kälte auf dem nackten Boden schliefen ließ. Brutal behandelte, mit unzureichender Versorgung

und katastrophalen sanitären Bedingungen. Menschen starben. Mitten im Alltag. Mitten zwischen uns. Auf der Homepage der Gedenkstätte heißt es: Niemand im Dorf konnte die Qualen der zur Arbeit getriebenen, hungernden Menschen übersehen. Und doch haben viele weggesehen. Und Jahrzehnte geschwiegen.

Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.

Die Geschichten unserer Eltern und Großeltern erzählen anderes. Sie erzählen von der Aufnahme von Flüchtlingen nach dem Krieg, die oftmals nicht freiwillig geschah. Flüchtlinge wurden zugewiesen, Wohnraum musste ungefragt geteilt werden. In einer Zeit von Armut und Bitterkeit, in der es schwer war, Gastfreundschaft zu leben. Und dennoch gibt es auch die Guten Geschichten. Von Hilfe und Mitgefühl. Geschichten von Menschen, die ein hohes Risiko eigegangen sind, um andere zu schützen. Wo geholfen und Brot geteilt wurde. Trotz eigener Not.

Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.

Das ist nicht immer leicht zu leben. Oftmals hängt es von den eigenen Lebensumständen ab.

Umso wichtiger ist es zu erkennen, welch Privileg es ist, Hilfsbereitschaft leben zu können, Teilen zu können, ohne dass es zu schmerzhaften Einschränkungen unseres eigenen Lebens führt. Das ist ein großes Geschenk. Erkennen wir dieses und machen mit. Fragen wir uns,

was wir dazu beitragen können, dass aus dieser Zeit – aus dem Frühjahr 2022 hier in Schleswig-Holstein – später erzählt wird: Wir haben die Menschen nicht abgewiesen.

So wie 2015/16: Als über eine Million Flüchtlinge, Migranten und Schutzsuchende nach Deutschland kamen. Wirtschaft und Politik, Vereine, Verbände und Kirchen mit angepackt haben. Das war großartig. Das hat gutgetan. Und tut noch immer gut. Macht Mut.

Und wo immer ich in diesen Tagen auf andere treffe, niemanden lässt Putins Krieg,

niemanden lässt das Schicksal der Menschen in der Ukraine, der Kinder, Frauen und Männer kalt. Viele wollen helfen. Suchen eine Möglichkeit, helfen zu können. Etwas machen zu können. Suchen die Gemeinschaft, auch um gegen ihre eigenen Ängste anzukämpfen,

brauchen das Gespräch, den Austausch. Auch in und mit der Kirche.

Etwas tun können, gegen das Gefühl der Ohnmacht, und für die Hoffnung, dass der Krieg schnell endet. Und dann taucht immer wieder die Frage auf: Was hilft wirklich?

Vor wenigen Tagen traf ich den 17jährigen Max. Er lebt in Schleswig-Holstein, seine Großeltern in der Ukraine. Und dann erzählte er. Von seiner Mutter, die am Tag des russischen Angriffs auf die Ukraine weinend zu ihm ans Bett kam. Über die Telefonate mit seinen Großeltern, die Fotos schickten. Mitten aus dem Krieg. Über Telefonate in denen es um Angst ging, und um das pure Überleben. Ohne Strom und ohne Wasser. Und über den Mut der Ukrainerinnen, die nicht aufgeben ihr Land, ihre Freiheit zu verteidigen. All das erzählte Max.

Diese Geschichten drücken einem die Kehle zu. Treiben einem Tränen in die Augen.

Eine solch direkte Schilderung ist intensiv – noch intensiver und noch schwerer zu ertragen als die vielen schrecklichen Fernsehbilder. Und dann sagte der junge Max: Was meinen Großeltern Hoffnung gibt, ist, dass die Menschen weltweit Solidarität mit der Ukraine zeigen.

Dass sie auf die Straße gehen und für Demokratie kämpfen.

Hoffnung. Das ist es, was die Menschen brauchen.

Glaube. Daran, dass es Hoffnung gibt.

Zuversicht, dass es gelingen kann. Dass der Krieg ein Ende hat.

Hoffnung. Glaube. Zuversicht. Menschen suchen Halt. Finden ihn im Glauben, in Freundschaften, in der Familie im Engagement für unsere Gesellschaft.

Unterschiedliche Herangehensweisen, die alle ihren Platz und ihre Berechtigung haben.

Ich habe Respekt vor Menschen, die nicht wegschauen. Die mit anpacken, die nicht abweisen.

In diesen Tagen gilt mein Respekt aber vor allem denjenigen mutigen Menschen in der Ukraine, die sich dem Angriffskrieg von Putin widersetzen. Und mein Respekt gilt auch Denjenigen, die in Moskau und anderorts in Russland auf der Straße gehen, die gegen Putin, gegen den Krieg protestieren. Es sind nicht „die Russen“, die den Angriffskrieg führen.

Es gibt so viele Menschen in Russland, die sich nach Freiheit und Demokratie und vor allem nach Frieden sehen. Die um ihre toten Söhne und Männer trauern, die ihr Leben in diesem sinnlosen Krieg verloren haben. Dieser Angriffskrieg ist Putins Krieg. Und jede und jeder möge ich selbst prüfen, sich die Frage stellen, wie weit wir selbst bereit wären, in einer solchen Situation auf die Straße zu gehen. Das Risiko einzugehen, für Freiheit und Demokratie zu kämpfen, wenn es das eigene Leben kosten kann. Was sind wir selbst bereit einzusetzen, um mitzuhelfen, den Krieg zu beenden? Welche Einschränkungen sind wir bereit in Kauf zu nehmen, damit Deutschland weniger Gas, Kohle und Öl aus Russland kaufen muss? Welche Preissteigerungen können wir verkraften, sind wir bereit an der Tankstelle zu akzeptieren? Welchen Beitrag zur Energieeinsparung können und wollen wir leisten?

Sind wir bereit unseren eigenen Wohnraum zu teilen, um Menschen aufzunehmen?

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“

Ein kleiner Satz aus dem Johannes Evangelium, im sechsten Kapitel, der nicht nur hoch aktuell, sondern auch hoch politisch ist. Denn wenn wir ehrlich sind, dann wissen wir:

Es gibt sehr viele Menschen, die wir schon abgewiesen haben. Wir haben Menschen privat zurückgewiesen, vielleicht, weil es uns gerade zu viel wurde, gerade nicht passte. Weil es zu anstrengend gewesen wäre. Oder auch weil wir einfach Zeit und Ruhe für uns selbst brauchten. Und jedes Argument hat seine Berechtigung. Aber auch als Gesellschaft weisen wir immer wieder viele Menschen ab. Grenzen werden nicht geöffnet, Flüchtlinge werden nicht aufgenommen, Asylbewerber zurückgeschickt. Bootsflüchtlinge nicht gerettet. Und ertrinken. Wir weisen zurück, aus Angst davor, dass es uns als Gesellschaft überfordern würde. Aus Angst davor, dass es zu Viele werden könnten. Dass es unser eigenes Leben einschränkt. Aus Angst vor Fremdem. Es fehlt die Bereitschaft zu teilen. Es fehlt das Vertrauen, dass es gelingen kann. Vertrauen beruht auf Erfahrung, aber auch auf Hoffnung und auf Glauben. Und deshalb ist es vermutlich kein Zufall, dass sich gerade Kirchen derart konsequent in der Flüchtlingspolitik engagieren. Dass sie Asyl bieten. Dass sie sich in der „Eine Welt Politik“ engagieren. Partnerschaften aufbauen und ganz konkret helfen. Mit dem Bau von Brunnen, von Schulen und mit Hilfe zur Selbsthilfe.

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“ – die Jahreslosung klingt bedingungslos. Vielleicht hatte die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel genau diesen Bibelvers vor Augen, als sie 2015 sagte: Wir schaffen das. Eine Aussage, die motiviert hat mitzumachen, mitzuhelfen. Und unsere Gesellschaft hat es versucht. Die Grenzen waren offen, unsere Arme waren offen. Und dann sind wir irgendwie doch gestrandet. Die Willkommenswelle ließ nach, Hass und Hetze der Rechtspopulisten wurden lauter. Die AfD zog in die Parlamente ein. Auch in den Schleswig-Holsteinischen Landtag. Und jede Rede der AFD im Landtag hat nur ein Thema: Wir werden Euch abweisen. Euch die ihr anders seid, Euch die ihr zu uns kommt. Euch, die ihr Schutz sucht. Und wir sind es, wir als demokratische Gesellschaft, müssen im Sinne der Jahreslosung sagen:

Wenn Menschen zu uns kommen, wenn sie Hilfe brauchen, werden wir sie nicht abweisen.

Wissend, dass wir dieses vermutlich nicht vollständig leben können. Es wird weiterhin Grenzen geben. Geben müssen. Begrenzung geben. Abweisungen geben. Im Rahmen der gesetzten Regeln. Und es ist schwer, und es wird schwer bleiben, die Linie zu ziehen. Muss schwer bleiben, denn Abweisung darf niemals leichtfertig geschehen. Aber für diese differenzierte Betrachtung ist heute der falsche Tag. Putin hat einen Angriffskrieg begonnen,

der das gesamte europäische Sicherheitsgefüge in Gefahr bringt. Er hat internationales Vertrauen zerstört, Wirtschaftsbeziehungen abrupt beendet, Menschen ihre Heimat genommen, Tod und Leid nicht nur in die Ukraine gebracht.

Deshalb muss es jetzt an die Ukrainer*innen gerichtet heißen:

„Wir werden Euch nicht abweisen“

Wir öffnen unsere Häuser,

wir organisieren Kita und Schule.

Wir nehmen Kranke und Verletzte auf.

Und wir gehen auf die Straße, um Eure und unsere Demokratie zu verteidigen.

Wir stehen zu den verhängten Sanktionen und machen uns schrittweise und möglichst schnell von der russischen Energieversorgung unabhängig.

Und wir liefern Euch Waffen, auch wenn das nicht auf unserer Agenda stand.

Wir machen das, weil ihr für Demokratie und Unabhängigkeit kämpft.

Und weil in der Charta der vereinten Nationen das Recht auf Selbstverteidigung festgeschrieben wurde.

Es ist eine Zeitenwende.

Dieses Wort beschreibt die Realität.

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“

Schön, dass es diese Jahreslosung gibt. Sie ist ein klares Bekenntnis. Jetzt ist es Zeit, dieses bedingungslos zu leben.

Wir bedanken uns bei allen Beteiligten, die die Politische Andacht zur Jahreslosung mit Frau Heinold möglich gemacht haben.

Ferienfreizeit „Erinnerungsorte“

Vom 4.-8. April 2022 wird in der Nordsee Akademie Leck eine Ferienfreizeit unter dem Titel „Erinnerungsorte“ für junge Menschen im Alter von 16-18 Jahren angeboten.

Der Flyer mit allen Informationen und der Möglichkeit zur Anmeldung befindet sich hier: https://www.nordsee-akademie.de/programm/einzelansicht-erinnerungsorte/674/

Die Ferienfreizeit „Erinnerungsorte“ bietet die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund zusammen mit der KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing und der Nordsee Akademie Leck an. Sie wird finanziert durch das Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Für die Teilnehmer*innen fallen für die ganze Woche nur Kosten in Höhe von 50,-€/Person an.

Wir hoffen, dass das Angebot für viele junge Menschen attraktiv ist und genutzt wird. Wir freuen uns auf Anmeldungen!

Stop the War!

Krieg in Europa – nach vielen Jahren des Friedens, der Kommunikation und des Dialoges miteinander, ist das schwer zu verstehen und noch viel schwerer zu ertragen.
Wir verurteilen das aggressive militärische Vorgehen des russischen Potentaten Putin, unsere Gedanken sind bei den Menschen in der Ukraine, die vor Gewalt flüchten und Angst um ihr Leben haben müssen.

Welches Leid Krieg und militärische Gewalt über die Menschen bringt, daran erinnert die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte seit Jahrzehnten. Es ist eine unerträgliche Vorstellung, dass im Moment Menschen in der Ukraine Gewalt erfahren, dass Familien Tote zu beklagen haben, und unter einem durch Nichts zu rechtfertigendem Krieg leiden müssen.

Bei einem Friedensgebet am 27. Februar in der St. Petri Kirche haben viele Menschen ihre Sorgen und Ängste geteilt. Im Gedenken an die Menschen in der Ukraine haben wir Kerzen entzündet.

„Politische“ Andacht zur Jahreslosung mit Monika Heinold

Seit Jahren veranstaltet der Freundeskreis der St. Laurentius-Kirche Karlum eine „Politische“ Andacht zur Jahreslosung. In diesem Jahr ist die Jahreslosung „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“. Monika Heinold, Finanzministerin des Landes Schleswig-Holstein, wird ihre Gedanken dazu mit uns teilen.

Auf Grund der unübersichtlichen Coronasituation und dem begrenzten Platzangebot in der Karlumer Kirche hat der Freundeskreis der St. Laurentius-Kirche schweren Herzens beschlossen, sämtliche Veranstaltungen im ersten Quartal 2022 abzusagen. Um die Veranstaltung mit Monika Heinold aber dennoch durchführen zu können, findet sie jetzt unter der Schirmherrschaft der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte in der größeren St. Petri Kirche in Ladelund statt.

Wir möchten alle Interessierten einladen, an dieser Veranstaltung in der St. Petri Kirche Ladelund teilzunehmen.

„Politische“ Andacht

mit Monika Heinold (Bündnis 90/Die Grünen)

Finanzministerin des Landes Schleswig-Holstein

14.03.2022 um 18:00 Uhr

Für alle Gottesdienste gilt aktuell die 3G-Regel. Entsprechende Nachweise sind beim Besuch der Andacht vorzulegen.

Wegen der gesetzlichen Vorgaben mit Beschränkung der Besucher/innenzahl ist eine Voranmeldung über die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund zwingend erforderlich. Sie erreichen uns telefonisch (04666-449) oder per Mail (info@kz-gedenkstaette-ladelund.de).

Boleslaw Kawka (19.8.1919-14.11.1944)

Boleslaw Kawka ist einer der Häftlinge aus dem Osten Europas, über den relativ viel bekannt ist. Dies liegt auch daran, dass Oliver Schultz, der Mitte der 1990er Jahre seinen Zivildienst in der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund ableistete, im Jahr 1996 zusammen mit sechs Jugendlichen aus Ladelund und Umgebung eine Reise nach Polen unternahm. Dort versuchte die Gruppe Angehörige von Männern aufzuspüren, die in Ladelund ermordet worden waren. In Wronki , einer kleinen Stadt nordwestlich von Posen traf die Gruppe die Schwester und den Freund von Boleslaw Kawka.

Jugendliche aus Ladelund und Umgebung in Wronki, 1992

Boleslaw Kawka wurde 1919 in Nowa Wieś geboren und wuchs im nahegelegenen Ort Wronki auf, in dem seine Familie wohnte.

Gehöft der Familie Kawka

Schon gleich nach dem Überfall der Wehrmacht auf Polen wurden polnische Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit in Deutschland gezwungen, um den in Deutschland herrschenden Arbeitskräftemangel auszugleichen. Ab März 1940 wurden immer mehr polnische Männer ebenfalls zur Zwangsarbeit in Deutschland verpflichtet. Auch Boleslaw Kawka und sein Freund Ludwik Biniek mussten zusammen mit anderen jungen Männern aus Wronki im Juni 1940 ihre Heimat verlassen. Sie gelangten auf das bei Berlin gelegene Gut von Alfred Egon Gustav von Bake, auf dem sie in der Landwirtschaft arbeiten mussten. Der Gruppe der Zwangsarbeiter auf dem Hof in Pessin ging es vergleichsweise gut.

Gruppe polnischer Zwangsarbeiter in Pessin (B. Kawka ganz links)

Sie konnten Briefe und Pakete mit Nahrungsmitteln von Zuhause empfangen und die Arbeit auf dem Hof war erträglich. Als sowjetische Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter auf das Gut von Alfred Egon Gustav von Bake kamen, musste Boleslaw Kawka seine Arbeitsstelle wechseln. Auf der neuen Arbeitsstelle verschwand eines Tages eine Pute und Boleslaw Kawka wurde beschuldigt, sie gestohlen zu haben. Aufgrund dieser Anschuldigung wurde er verhaftet. Im Jahr 1944 gelangte er über das KZ Neuengamme in das Lager Ladelund, wo er am 14.11.1944 starb.

Gedenken und Vortrag am 27. Januar – Poesiealben und Sinnsprüche von 1940 und 1955 im Vergleich

Die erste Veranstaltung jedes Jahres in der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund ist traditionell ein Vortrag am 27. Januar.

Am 27. Januar deshalb, weil dieser Tag der Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust ist, nachdem am 27. Januar 1945 das KZ Auschwitz von Soldaten der Roten Armee befreit wurde. Auch die im KZ Ladelund im November und Dezember 1944 gestorbenen Männer zählen zu den Opfern dieser Zeit, und am 27. Januar gedenken wir Ihrer.

Am 27. Januar wird mit „Lichtern gegen das Vergessen“ an die Opfer des NS erinnert

Im letzten Jahr konnte das Gedenken an diesem Tag nur in kleinem Rahmen stattfinden; ein Vortrag musste ganz entfallen, da die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund im Zuge der Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus‘ geschlossen war. In diesem Jahr möchten wir die Tradition wieder fortführen. Ein Vortrag in Präsenz mit Besuchern in der Gedenkstätte ist aber immer noch nicht möglich. Die Gedenkstätte ist zwar offen für Besucher:innen, aber bei einem Vortrag können wir die Einhaltung der Abstandsregeln nicht garantieren. Deshalb bieten wir einen digitalen Vortrag an, an dem alle Interessierten digital teilnehmen können.

Die Vorsitzende des Niebüller Geschichtsvereins, Beate Jandt, wird unser Gast sein. Sie wird sich in ihrem Vortrag mit Sinnsprüchen beschäftigen, die Poesiealben in den Jahren des Nationalsozialismus zierten und sie mit denjenigen vergleichen, die nach dem Ende der NS-Herrschaft ihren Weg in die Alben der Mädchen fanden. Frau Jandt geht der Frage nach, inwieweit die nationalsozialistische Ideologie ihren Weg in die Poesiealben der Zeit fand und was mit den Sinnsprüchen vermittelt werden sollte. Als Vergleich zu den Sprüchen aus dem Poesiealbum von Annelie Hartz aus dem Jahr 1940 dient ihr eigenes Poesiealbum von 1955.

Poesiealben und sogenannte Freundschaftsbücher sind Zeitdokumente, die widerspiegeln, welche Sinnsprüche, Gedichte, Lebensregeln und guten Wünsche in der Zeit des Entstehens weitergegeben werden sollten. Ergänzt durch eingeklebte Glanzbilder und Zeichnungen sind sie wertvolle Erinnerungsstücke an die eigene Jugend. Doch unpolitisch sind sie nicht. Genau dieser These wird Beate Jandt besondere Aufmerksamkeit schenken und fragen, wie sich die beliebten Poesiealben und Freundschaftsbücher während der Zeit von 1940 bis 1955 gewandelt haben.

Der Zoom-Vortrag von Beate Jandt beginnt am Donnerstag, dem 27.01.2022, um 18.30.

Interessierte können mit den folgenden Einwahldaten daran teilnehmen:
                                Meeting-ID: 849 3589 3922
                               Kenncode: 602742
                                Link:
https://us02web.zoom.us/j/84935893922?pwd=YnZZN2l4TGp2SHk0WUhKeWllL1F1dz09

Schließzeit der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte

Wie jedes Jahr ist es ab dem Volkstrauertag ruhiger geworden in der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte. Viele andere Termine, aber auch das mitunter schmuddelige Wetter, lassen einen Besuch bei uns für Viele in den Hintergrund rücken. Wir haben uns über all diejenigen gefreut, die in dieser Zeit, auch trotz Corona-Einschränkungen, den Weg nach Ladelund gefunden haben!

Wie alljährlich üblich, ist die Gedenkstätte über Weihnachten und den Jahreswechsel geschlossen. Vom 17. Dezember 2021 bis zum 10. Januar 2022 haben wir nicht geöffnet.
Im Neuen Jahr freuen wir uns ab dem 11. Januar wieder über Sie als Besucher:in!

Wir wünschen Allen eine besinnliche und schöne Weihnachtszeit. Bleiben Sie gesund und genießen Sie die Zeit! Wir freuen uns auf 2022 mit neuen Projekten und hoffentlich einigen Veranstaltungen in Präsenz! Kommen Sie gerne vorbei.

Im nächsten Sommer wird es übrigens wieder neuen Honig geben von den Bienenvölkern, die dank einer befreundeten Imkerin im Garten der Begegnung einen Platz gefunden haben.

Stefan Zawadzki (1.9.1896 – 30.11.1944)

Auf den Bronzeplatten bei den Gräbern findet man den Namen Zawadzki nicht! Nicht unter den getöteten Häftlingen aus Polen (denn Zawadzki wurde in Polen geboren), noch unter den Opfern aus Frankreich, wohin er als kleiner Junge mit seinen Eltern ausgewandert war. Warum erinnern wir dann aber dennoch an ihn als einen der im KZ Ladelund getöteten Männer?

Sein Name findet sich in den Listen der Getöteten und auch auf der mittleren Bronzeplatte hinter den Gräbern, auf der die Namen der Opfer aus Polen stehen. Allerdings nicht unter dem Namen Zawadziki, sondern „Zawalki“.

Woran liegt das? Vermutlich ist die falsche Schreibweise des Namens bei der Registrierung von Stefan Zawadzki im Lager entstanden. Die Häftlinge mussten ihre Namen sagen und je nachdem, was die Schreiber bei der Registratur verstanden, wurde ein „falscher“ Name aufgeschrieben. Gerade bei Namen polnischen Ursprungs führte dieses „phonetische“ Festhalten des Namens oft zu falschen Schreibweisen der Namen. Im Jahr 1950, als die Bronzetafeln hinter den Gräbern erstellt wurden, gab es nur wenig Kontakte zu den Angehörigen der Opfer. Falsche Namensschreibweisen konnten deshalb nicht korrigiert werden.

Als die Angehörigen von Stefan Zawadzki aus Frankreich im Frühjahr 2020 Kontakt mit der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte aufnahmen, war dies eine der ersten Fragen und Hinweise. Die Familie war nach dem Ende des Krieges lange Zeit im Ungewissen darüber geblieben, was mit Stefan Zawadzki passiert war. Erst 2003 erfuhr die Familie, dass Stefan Zawadzki in einem deutschen KZ ums Leben gekommen war. Und erst 2019 konnte die Familie mit Hilfe der Arolsen Archives ermitteln, dass er in Ladelund gestorben war und auch hier begraben wurde. Nach der ersten Kontaktaufnahme im letzten Jahr begann die Familie genauso wie das Team der KZ Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund mit den Planungen für einen Besuch der Familie. Nach Verschiebungen des Besuchs durch die Corona-Situation war es im September 2021 dann endlich so weit: Die jüngste Tochter von Stefan Zawadzki konnte das Grab ihres Vaters in Ladelund besuchen.

Lucie Bournoville und ihr Ehemann finden den Namen von Stefan Zawadzki auf den Tafel hinter den Gräbern.

Zusammen mit ihrem Ehemann, zwei ihrer Kinder und deren Ehepartnern sowie einem ihrer Enkel konnte Lucie Bournoville nach 77 Jahren am Grab ihres Vaters in Ladelund stehen. Für alle Beteiligten, besonders aber natürlich für Lucie Bournoville, war dies ein bewegender Moment. Für Lucie Bournoville bedeutete dieser Besuch einen Abschluss und ein Ende der Ungewissheit, was mit ihrem Vater nach dessen Deportation passiert war. Nun gibt es einen Ort, an dem sie und auch ihre Familie trauern und sich an Stefan Zawadzki erinnern und an ihn denken können.

Für die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund sind die Besuche von Angehörigen immer ein besonderer Moment. Auf der einen Seite geht es um die Möglichkeit für die Angehörigen, wie bei Lucie Bournoville, einen Abschluss zu finden und an einem Grab trauern zu können. Die Kommunikation mit den Angehörigen, das Erzählen über das Leben der Toten und ihrer Familie, der Besuch des ehemaligen Lagergeländes, des Panzerabwehrgrabens und die Bemühungen der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund, die Erinnerung an das Geschehene wach zu halten und den Wunsch nach einem friedlichen Zusammenleben an die jüngeren Generationen weiterzugeben, gibt auf der anderen Seite gleichzeitig den Anlass zu Versöhnung, zu gegenseitigem Kennenlernen und Verstehen.

Besuch am ehemaligen Lagergelände des KZ Ladelund

Beim Besuch der Familie Bournoville in Ladelund hat beides stattgefunden. Die Trauer an den Gräbern und das gemeinsame Gespräch. Zur besseren Verständigung haben drei Übersetzer:innen beigetragen, für deren Anwesenheit wir immens dankbar waren. Und auch ein ökumenischer Gottesdienst in der St. Petri Kirche, der von einem katholischen Priester für alle Anwesenden gefeiert wurde, war für Lucie Bournoville und ihre Familie eine große Hilfe an diesem Tag.

Ökumenischer Gottesdienst in St. Petri
Familie Bournoville vor der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte (links: die Übersetzer:innen, mittig die Familie und rechts die Leiterin der Gedenkstätte)

Nach diesem Bericht über den Besuch der Familie Bournoville aber noch kurz zur Lebensgeschichte von Stefan Zawadzki:
Stefan heiratete 1917 im damaligen Polen Stefania Stamborska, die in derselben Gegend wie er geboren worden war. Ungefähr vier Jahre später wanderte die Familie nach Frankreich aus, wo Stefan Zawadzki zunächst im Bergbau arbeitete, bevor er einen Lebensmittelladen eröffnete. Die Familie wächst und die Eheleute bekommen vier Töchter und einen Sohn. 1934 wird Stefan Zawadzki französischer Staatsbürger.

1940 überfällt die Deutsche Wehrmacht Frankreich und besetzt den nördlichen Teil des Landes. In der Folge schließt sich Stefan Zawazki dem Widerstand gegen die deutschen Besatzer an. Er wird Mitglied des Netzwerks polnischer Widerstandskämpfer. Im Rahmen seiner Widerstandsaktionen verteilte er Flugblätter und verübte kleinere Sabotageakte. Zudem stellte er sein Haus für geheime Treffen des Widerstands zu Verfügung. Dort versteckte er auch eine geheime Funkausrüstung, mit der Informationen an die polnische Exilregierung in London übermittelt werden konnten. Am Abend des 3. August 1944 wird Stefan Zawadzki mit fast allen Mitgliedern seiner Familie verhaftet und in einem Gefängnis in der Nähe von Lille inhaftiert. Nach einem Monat kommen Mitglieder der Familie frei. Stefan und der Funker Leon Zapała werden jedoch am 1. September 1944 (Stefans Geburtstag) nach Deutschland deportiert. Er kommt zunächst in das KZ Sachenhausen, Mitte Oktober dann in das KZ Neuengamme. Von dort wird er Anfang November 1944 in das KZ Ladelund deportiert. An den Entbehrungen durch die schwere Arbeit und die schlechte Versorgung stirbt Stefan Zawadzki am 30. November 1944 in Ladelund und wird durch Pastor Meyer neben der Kirche St. Petri bestattet.

Newsletter des Netzwerks Erinnerungskultur

Titelbild des ersten Newsletters

Seit April 2021 gibt es das „Netzwerk Erinnerungskultur“ im Bereich der Nordkirche. Akteur:innen aus dem kirchlichen Bereich, aus Kommunen und weitere am Thema Interessierte haben sich zusammengefunden, um sich zu vernetzen und auszutauschen. Die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund engagiert sich in diesem Netzwerk.

In vielen Orten existieren Ehrenmale, Namenstafeln bzw. Gedenkbücher zu Ehren der »Gefallenen«. In vielen Fällen stehen sie in Schrift und Darstellung für ein national-protestantisch und militärisch geprägtes Christentum, das uns heute fremd ist. Innerhalb des Netzwerks möchten wir uns darüber austauschen, wie bislang mit Ehrenmälern verfahren wird und in welcher Form Gedenktafeln und Ehrenbücher in Kirchen historisch-kritisch kommentiert oder ergänzt werden können.

Daneben ist es ein Anliegen des „Netzwerks Erinnerungskultur“ die bestehende Erinnerungskultur kritisch einzuordnen und sich damit zu beschäftigen, wie eine Erinnerungskultur in der heutigen Zeit aussehen kann. Materialien für die Projektarbeit von Jugendlichen zur Erinnerungskultur zu entwickeln, ist ein weiteres Ziel.

Über die bisherige Arbeit, die Teilnehmer:innen und zukünftige Planungen informiert der erste Newsletter des „Netzwerks Erinnerungskultur“, den Sie hier herunterladen können:

https://www.denk-mal-gegen-krieg.de/assets/Uploads/Netzwerk-Erinnerungskultur-Newsletter1-2021-final3.pdf

Volkstrauertag 2021

Am Sonntag, dem 14. November 2021, war Volkstrauertag: der Tag, an dem an die Opfer von Krieg und Gewalt, von Ausgrenzung und Verfolgung auf der Welt in ganz Deutschland erinnert wird. In Ladelund findet dieses stille Gedenken seit Jahrzehnten statt. Vertreter:innen der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte, der Kirchengemeinde, des Kirchenkreises, der Gemeinde Ladelund, des Kreises Nordfriesland, der Bundeswehr und anderer Organisationen gedenken der Toten des KZ Ladelund. Auch an den Ehrenmälern in Ladelund und Westre werden Kränze niedergelegt. Seit vielen vielen Jahren sind Vertreter aus dem niederländischen Putten anwesend. Vertreter der Gemeinde Putten genauso wie Vertreter:innen der Stichting Oktober’44 und der Stichting Samen Verder: Freunde aus den Niederlanden eben.

Nachdem sich im letzten Jahr aufgrund der Corona-Einschränkungen nur zehn Personen zum Gedenken versammeln und keine ausländischen Gäste einreisen durften, war dieses Jahr wieder ein gemeinschaftliches Gedenken im kleinen Kreis möglich.

Alle haben es trotz des Anlasses genossen, einander wieder zu sehen, gemeinsam einen Gottesdienst zu feiern und sich nach dem Gedenken zu einer traditionellen „Volkstrauertags-Suppe“ im Pastorat zu treffen. Auch noch ein „kopje koffie“ nach dem Essen in der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte zu trinken war wie immer für Viele ein Bedürfnis, bevor sich die niederländischen Besucher:innen wieder auf den Heimweg nach Putten machten.