Wouter Rozendaal (16.2.1905-20.2.1992)

Schon an den Lebensdaten können Sie sehen, dass Wouter Rozendaal einer der Überlebenden des KZ Ladelund gewesen ist. Er stammte wie viele der anderen Häftlinge im KZ Ladelund aus dem niederländischen Ort Putten.

Wouter Rozendaal
Die Familie Rozendaal während der Besatzungszeit

Wie die anderen Häftlinge aus Putten, wurde er nach dem Anschlag vom 1. auf den 2. Oktober 1944 verhaftet und nach einem Zwischenstopp im polizeilichen Durchgangslager Amersfoort in das KZ Neuengamme deportiert. Dort kam er am 14. Oktober 1944 an. Wenige Tage später führte sein Leidensweg ihn weiter in das KZ Husum-Schwesing und am 1. November 1944 schließlich in das KZ Ladelund.
Im KZ Ladelund blieb Wouter Rozendaal bis zum Ende des Bestehens des Lagers Mitte Dezember 1944. Durch die Arbeit entzündete sich Anfang November 1944 sein Fuß , so dass er nicht mehr weiter am Bau des Panzerabwehrgrabens arbeiten konnte. Er erreichte seine Einweisung in die Krankenbaracke des Lagers und blieb dort bis zur Auflösung des Lagers am 16. Dezember 1944. Möglicherweise rettete ihm das sein Leben.
Mit der Auflösung des Lagers wurde Wouter Rozendaal zurück in das KZ Neuengamme geschickt. Seine Leidenszeit war damit noch nicht zu Ende. Am 29. März 1945 – er war mittlerweile völlig geschwächt – kam er in das Außenlager Salzgitter-Watenstedt und am 14. April 1945 in das KZ Ravensbrück. Während des Evakuierungsmarsches des Lagers konnte er am 1. Mai 1945 bei Malchow fliehen. Er schlug sich auf abenteuerlichen Wegen alleine nach Hause in die Niederlande durch. Dort kam er am 5. Juni 1945 an.

Noch im Sommer 1945 zeichnete er seine Odyssee durch die verschiedenen Konzentrationslager auf. Sein Erinnerungsbericht „Aus tiefer Not“ ist eine der wichtigsten Quellen zum KZ Ladelund. Er beschreibt darin den Tagesablauf im Lager, seine Erfahrungen der KZ-Haft und die gemeinsamen Anstrengungen zum Überleben. Er berichtet von den Entbehrungen, dem ständigen Hunger und der unmenschlichen Behandlung. Zum KZ Ladelund schreibt er: „So schlecht, wie wir es dort hatten, hatten wir es in keinem einzigen Lager gehabt.“

Bericht von Wouter Rozendaal „Aus tiefer Not“

In Putten kehrte er zurück zu seiner Frau Hendrikje und den acht gemeinsamen Kindern. Soweit er dies konnte, informierte er die Familien der anderen Männer, die nach der Razzia in Putten verhaftet worden waren, über das Schicksal ihrer Familienangehörigen. 1979 besuchte er zum ersten Mal nach Kriegsende Ladelund, die Kirche und die Gräber der im KZ gestorbenen Männer. Er starb im hohen Alter von 87 Jahren im Februar 1992.

Wouter Rozendaal in hohem Alter

Boleslaw Kawka (19.8.1919-14.11.1944)

Boleslaw Kawka ist einer der Häftlinge aus dem Osten Europas, über den relativ viel bekannt ist. Dies liegt auch daran, dass Oliver Schultz, der Mitte der 1990er Jahre seinen Zivildienst in der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund ableistete, im Jahr 1996 zusammen mit sechs Jugendlichen aus Ladelund und Umgebung eine Reise nach Polen unternahm. Dort versuchte die Gruppe Angehörige von Männern aufzuspüren, die in Ladelund ermordet worden waren. In Wronki , einer kleinen Stadt nordwestlich von Posen traf die Gruppe die Schwester und den Freund von Boleslaw Kawka.

Jugendliche aus Ladelund und Umgebung in Wronki, 1992

Boleslaw Kawka wurde 1919 in Nowa Wieś geboren und wuchs im nahegelegenen Ort Wronki auf, in dem seine Familie wohnte.

Gehöft der Familie Kawka

Schon gleich nach dem Überfall der Wehrmacht auf Polen wurden polnische Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit in Deutschland gezwungen, um den in Deutschland herrschenden Arbeitskräftemangel auszugleichen. Ab März 1940 wurden immer mehr polnische Männer ebenfalls zur Zwangsarbeit in Deutschland verpflichtet. Auch Boleslaw Kawka und sein Freund Ludwik Biniek mussten zusammen mit anderen jungen Männern aus Wronki im Juni 1940 ihre Heimat verlassen. Sie gelangten auf das bei Berlin gelegene Gut von Alfred Egon Gustav von Bake, auf dem sie in der Landwirtschaft arbeiten mussten. Der Gruppe der Zwangsarbeiter auf dem Hof in Pessin ging es vergleichsweise gut.

Gruppe polnischer Zwangsarbeiter in Pessin (B. Kawka ganz links)

Sie konnten Briefe und Pakete mit Nahrungsmitteln von Zuhause empfangen und die Arbeit auf dem Hof war erträglich. Als sowjetische Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter auf das Gut von Alfred Egon Gustav von Bake kamen, musste Boleslaw Kawka seine Arbeitsstelle wechseln. Auf der neuen Arbeitsstelle verschwand eines Tages eine Pute und Boleslaw Kawka wurde beschuldigt, sie gestohlen zu haben. Aufgrund dieser Anschuldigung wurde er verhaftet. Im Jahr 1944 gelangte er über das KZ Neuengamme in das Lager Ladelund, wo er am 14.11.1944 starb.

Stefan Zawadzki (1.9.1896 – 30.11.1944)

Auf den Bronzeplatten bei den Gräbern findet man den Namen Zawadzki nicht! Nicht unter den getöteten Häftlingen aus Polen (denn Zawadzki wurde in Polen geboren), noch unter den Opfern aus Frankreich, wohin er als kleiner Junge mit seinen Eltern ausgewandert war. Warum erinnern wir dann aber dennoch an ihn als einen der im KZ Ladelund getöteten Männer?

Sein Name findet sich in den Listen der Getöteten und auch auf der mittleren Bronzeplatte hinter den Gräbern, auf der die Namen der Opfer aus Polen stehen. Allerdings nicht unter dem Namen Zawadziki, sondern „Zawalki“.

Woran liegt das? Vermutlich ist die falsche Schreibweise des Namens bei der Registrierung von Stefan Zawadzki im Lager entstanden. Die Häftlinge mussten ihre Namen sagen und je nachdem, was die Schreiber bei der Registratur verstanden, wurde ein „falscher“ Name aufgeschrieben. Gerade bei Namen polnischen Ursprungs führte dieses „phonetische“ Festhalten des Namens oft zu falschen Schreibweisen der Namen. Im Jahr 1950, als die Bronzetafeln hinter den Gräbern erstellt wurden, gab es nur wenig Kontakte zu den Angehörigen der Opfer. Falsche Namensschreibweisen konnten deshalb nicht korrigiert werden.

Als die Angehörigen von Stefan Zawadzki aus Frankreich im Frühjahr 2020 Kontakt mit der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte aufnahmen, war dies eine der ersten Fragen und Hinweise. Die Familie war nach dem Ende des Krieges lange Zeit im Ungewissen darüber geblieben, was mit Stefan Zawadzki passiert war. Erst 2003 erfuhr die Familie, dass Stefan Zawadzki in einem deutschen KZ ums Leben gekommen war. Und erst 2019 konnte die Familie mit Hilfe der Arolsen Archives ermitteln, dass er in Ladelund gestorben war und auch hier begraben wurde. Nach der ersten Kontaktaufnahme im letzten Jahr begann die Familie genauso wie das Team der KZ Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund mit den Planungen für einen Besuch der Familie. Nach Verschiebungen des Besuchs durch die Corona-Situation war es im September 2021 dann endlich so weit: Die jüngste Tochter von Stefan Zawadzki konnte das Grab ihres Vaters in Ladelund besuchen.

Lucie Bournoville und ihr Ehemann finden den Namen von Stefan Zawadzki auf den Tafel hinter den Gräbern.

Zusammen mit ihrem Ehemann, zwei ihrer Kinder und deren Ehepartnern sowie einem ihrer Enkel konnte Lucie Bournoville nach 77 Jahren am Grab ihres Vaters in Ladelund stehen. Für alle Beteiligten, besonders aber natürlich für Lucie Bournoville, war dies ein bewegender Moment. Für Lucie Bournoville bedeutete dieser Besuch einen Abschluss und ein Ende der Ungewissheit, was mit ihrem Vater nach dessen Deportation passiert war. Nun gibt es einen Ort, an dem sie und auch ihre Familie trauern und sich an Stefan Zawadzki erinnern und an ihn denken können.

Für die KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund sind die Besuche von Angehörigen immer ein besonderer Moment. Auf der einen Seite geht es um die Möglichkeit für die Angehörigen, wie bei Lucie Bournoville, einen Abschluss zu finden und an einem Grab trauern zu können. Die Kommunikation mit den Angehörigen, das Erzählen über das Leben der Toten und ihrer Familie, der Besuch des ehemaligen Lagergeländes, des Panzerabwehrgrabens und die Bemühungen der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund, die Erinnerung an das Geschehene wach zu halten und den Wunsch nach einem friedlichen Zusammenleben an die jüngeren Generationen weiterzugeben, gibt auf der anderen Seite gleichzeitig den Anlass zu Versöhnung, zu gegenseitigem Kennenlernen und Verstehen.

Besuch am ehemaligen Lagergelände des KZ Ladelund

Beim Besuch der Familie Bournoville in Ladelund hat beides stattgefunden. Die Trauer an den Gräbern und das gemeinsame Gespräch. Zur besseren Verständigung haben drei Übersetzer:innen beigetragen, für deren Anwesenheit wir immens dankbar waren. Und auch ein ökumenischer Gottesdienst in der St. Petri Kirche, der von einem katholischen Priester für alle Anwesenden gefeiert wurde, war für Lucie Bournoville und ihre Familie eine große Hilfe an diesem Tag.

Ökumenischer Gottesdienst in St. Petri
Familie Bournoville vor der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte (links: die Übersetzer:innen, mittig die Familie und rechts die Leiterin der Gedenkstätte)

Nach diesem Bericht über den Besuch der Familie Bournoville aber noch kurz zur Lebensgeschichte von Stefan Zawadzki:
Stefan heiratete 1917 im damaligen Polen Stefania Stamborska, die in derselben Gegend wie er geboren worden war. Ungefähr vier Jahre später wanderte die Familie nach Frankreich aus, wo Stefan Zawadzki zunächst im Bergbau arbeitete, bevor er einen Lebensmittelladen eröffnete. Die Familie wächst und die Eheleute bekommen vier Töchter und einen Sohn. 1934 wird Stefan Zawadzki französischer Staatsbürger.

1940 überfällt die Deutsche Wehrmacht Frankreich und besetzt den nördlichen Teil des Landes. In der Folge schließt sich Stefan Zawazki dem Widerstand gegen die deutschen Besatzer an. Er wird Mitglied des Netzwerks polnischer Widerstandskämpfer. Im Rahmen seiner Widerstandsaktionen verteilte er Flugblätter und verübte kleinere Sabotageakte. Zudem stellte er sein Haus für geheime Treffen des Widerstands zu Verfügung. Dort versteckte er auch eine geheime Funkausrüstung, mit der Informationen an die polnische Exilregierung in London übermittelt werden konnten. Am Abend des 3. August 1944 wird Stefan Zawadzki mit fast allen Mitgliedern seiner Familie verhaftet und in einem Gefängnis in der Nähe von Lille inhaftiert. Nach einem Monat kommen Mitglieder der Familie frei. Stefan und der Funker Leon Zapała werden jedoch am 1. September 1944 (Stefans Geburtstag) nach Deutschland deportiert. Er kommt zunächst in das KZ Sachenhausen, Mitte Oktober dann in das KZ Neuengamme. Von dort wird er Anfang November 1944 in das KZ Ladelund deportiert. An den Entbehrungen durch die schwere Arbeit und die schlechte Versorgung stirbt Stefan Zawadzki am 30. November 1944 in Ladelund und wird durch Pastor Meyer neben der Kirche St. Petri bestattet.

Viktor Brunclair (18.10.1899 – 21.11 .1944)

Heute möchte ich Ihnen Viktor Brunclair (18.10.1899 – 21.11 .1944) vorstellen.

Portrait Viktor Brunclair

Viktor Brunclair ist einer der fünf Männer aus Belgien, die im KZ Ladelund ums Leben kamen, und er ist einer der wenigen (wenn nicht sogar der Einzige), über den es einen eigenen Wikipedia-Eintrag gibt:

https://nl.wikipedia.org/wiki/Victor_Brunclair

Sogar eine Biografie über ihn mit mehreren hundert Seiten steht in unserer Bibliothek (Dieter Vandenbroucke: Dansen op een vulkaan, Antwerpen 2013)  – er war in den 1920er und 1930er Jahren in Belgien ein bekannter Schriftsteller, von dem mehr als 40 Veröffentlichungen existieren. Zudem war er politisch aktiv in der flämischen Bewegung. Dass er trotzdem als KZ-Häftling nach Ladelund kam und hier starb, ist bei näherer Betrachtung zunächst verwunderlich, weil er politisch in einem nationalistisch geprägten Umfeld aktiv war. Gleichzeitig zeigt seine Lebensgeschichte, wie schnell ein Mensch aus geordneten und durchaus gut situierten Verhältnissen in der Zeit der nationalsozialistischen Besetzung Belgiens in den Fokus der Besatzer geraten konnte und als politischer Gegner des Systems eingestuft wurde.

Doch zunächst zurück zum Lebensanfang und der Jugend Viktor Brunclairs. 1899 geboren als uneheliches Kind, dessen Vater unbekannt blieb, starb seine Mutter nur sechs Monate nach der Geburt des Jungen. Viktor Brunclair wuchs daraufhin bei seiner Großmutter mütterlicherseits in Antwerpen auf.

V. Brunclair mit seiner Großmutter

Großmutter und Enkel lebten in angespannten finanziellen Verhältnissen, was auch dazu führte, dass Viktor Brunclair keine weiterführende Schule besuchen konnte. Seine späteren Erfolge als Schriftsteller sind auf intensive autodidaktische Weiterbildung zurückzuführen. Seit 1915 veröffentlichte er kleinere Texte, meist im flämischen Milieu, zudem arbeitete er als Redakteur der flämischen Zeitschrift Vlaamse Arbeid. Während er in den 1920er und 1930er Jahren als Buchhalter bei einer Antwerpener Diamantenfirma sein Geld verdiente, publizierte er weitere Texte und war aktiv in der flämischen Theaterszene als Autor und Organisator.

Viktor Brunclair (1917)

Die Besetzung Belgiens im Sommer 1940 schien für Brunclair zunächst kein großes Problem darzustellen. Sein Einsatz für die Flämische Bewegung, deren Mitglieder oft mit den deutschen Besatzern kollaborierten und einen unabhängigen Staat Flandern propagierten, stellte ihn in eine ideologische Nähe zu den Besatzern. Dazu passte auch seine Tätigkeit als Redaktionssekretär des Wochenblattes Ulenspigel (Eulenspiegel). Interessanterweise wurde genau diese Zeitschrift von der kommunistischen Partei Belgiens unterstützt und unternahm den heute seltsam anmutenden Versuch, die dem rechten Spektrum zugetanen flämischen Nationalisten für die kommunistische Partei zu gewinnen. Brunclair selbst sah sich als Autor durch seine künstlerische Unabhängigkeit und Neutralität geschützt. Dennoch wurde er im Dezember 1941 unter dem Vorwurf verhaftet, einen anonymen Drohbrief gegen Mitglieder und die politische Ausrichtung der flämischen Oper in Antwerpen geschrieben zu haben. Nach sechsmonatiger Haft kam er jedoch nicht frei. Der Fund von illegalen Flugblättern bei ihm und seine Denunziation wegen der Beleidigung eines extremen flämischen Nationalisten führten zu einem erneuten Gefängnis-Aufenthalt. Im September 1944 wurde V. Brunclair als KZ-Häftling zunächst in das KZ Sachsenhausen gebracht. Von dort führte sein Weg in das KZ Neuengamme und von dort nach Ladelund, wo er am 21. November 1944 verstarb.

Jean-Paul Depalle (21.09.1888 – 11.12.1944)

Jean-Paul Depalle

Der Franzose lebte mit seiner Familie in La Chabanne, einem kleinen Dorf in der Nähe von Vichy und Clermont-Ferrand. Drei der fünf Kinder lebten 1944 noch bei den Eltern auf einem abgelegenen Bauernhof und bewirtschafteten diesen. 

Hof der Familie Depalle im Mai 1940 (Ausschnitt)

Der Bauernhof der Familie war abgelegen und bot Widerstandskämpfern der französischen Résistance damit gute Versteckmöglichkeiten. Die Depalles engagierten sich aktiv in den Reihen des Widerstands. Auf dem Hof bzw. auf einem in der Nähe im Wald errichteten Lager fanden fast 40 Männer Unterschlupf, die nicht zur Zwangsarbeit nach Deutschland gebracht werden wollten. Bei der Beschaffung von Lebensmitteln im nächsten Dorf wurde im Juli 1944 ein Mitglied der Gruppe von deutschen Soldaten verhaftet, die auf der Suche nach einem abgestürzten deutschen Flugzeug waren. Wenige Tage später erschienen deutsche Soldaten auf dem Hof. Es kam zu einer Schießerei, und die Deutschen verhafteten alle Personen, die sie auf dem Hof antrafen. Auch die auf dem Hof lebenden Kinder der Familie wurden in einem Versteck aufgespürt und zusammen mit ihren Eltern fortgebracht. Der Hof wurde in Brand gesteckt.

Hof der Familie Depalle nach der Zerstörung

Die beiden jüngeren Kinder wurden zusammen mit ihrer Mutter im nächsten Ort freigelassen, sie kamen im Haus einer verheirateten Schwester unter und überlebten den Krieg. Der Vater, Jean-Paul Depalle, und der noch auf dem Hof lebende zwanzigjährige Sohn wurden deportiert und kehrten nicht nach Hause zurück. Jean-Paul Depalle kam vermutlich im November 1944 nach Ladelund. Am 11. Dezember 1944 wurde er von Pastor Johannes Meyer im neunten Grab der im KZ Ladelund getöteten Männer beerdigt. Sein Weg nach Ladelund ist bisher nicht bekannt genauso wenig wie der Sterbeort seines ebenfalls deportierten Sohnes.
1975, vor mittlerweile fast 46 Jahren kamen zwei der Töchter von Jean-Paul Depalle zum ersten Mal nach Ladelund und besuchten das Grab ihres Vaters. Eine der Töchter, Jean-Claude Mercier, beschrieb diesen Besuch und die freundliche Aufnahme durch Pastor Richter. Sie hinterließ im Archiv der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte einen Bericht über das Leben ihres Vaters, seine Verhaftung und die Geschichte der Familie. Sie schließt diesen Bericht mit den Worten „Ich habe den Bericht ohne Hass geschrieben […], man muss versuchen zu vergeben, sonst ist nichts möglich. Aber ein für alle Mal: ‚Nie wieder Krieg!‘“