Depalle, Jean-Paul

Der Franzose Jean-Paul Depalle (21.09.1888 – 11.12.1944) lebte mit seiner Familie in La Chabanne, einem kleinen Dorf in der Nähe von Vichy und Clermont-Ferrand. Zusammen mit ihren Eltern lebten noch drei der fünf Kinder 1944 auf dem abgelegenen Bauernhof und halfen bei dessen Bewirtschaftung.

Hof der Familie Depalle (1940)

Der Bauernhof der Familie war abgelegen und bot Widerstandskämpfern der französischen Résistance damit gute Versteckmöglichkeiten. Die Depalles engagierten sich aktiv in den Reihen des Widerstands. Auf dem Hof bzw. auf einem in der Nähe im Wald errichteten Lager fanden fast 40 Männer Unterschlupf, die nicht zur Zwangsarbeit nach Deutschland gebracht werden wollten. Bei der Beschaffung von Lebensmitteln im nächsten Dorf wurde im Juli 1944 ein Mitglied der Gruppe von deutschen Soldaten verhaftet, die auf der Suche nach einem abgestürzten deutschen Flugzeug waren. Wenige Tage später erschienen deutsche Soldaten auf dem Hof. Es kam zu einer Schießerei, und die Deutschen verhafteten alle Personen, die sie auf dem Hof antrafen. Auch die auf dem Hof lebenden Kinder der Familie wurden in einem Versteck aufgespürt und zusammen mit ihren Eltern fortgebracht. Der Hof wurde in Brand gesteckt.

Hof der Familie Depalle nach der Zerstörung

Die beiden jüngeren Kinder wurden zusammen mit ihrer Mutter im nächsten Ort freigelassen, sie kamen im Haus einer verheirateten Schwester unter und überlebten den Krieg. Der Vater, Jean-Paul Depalle, und der noch auf dem Hof lebende zwanzigjährige Sohn wurden deportiert und kehrten nicht nach Hause zurück. Jean-Paul Depalle kam vermutlich im November 1944 nach Ladelund. Am 11. Dezember 1944 wurde er von Pastor Johannes Meyer im neunten Grab der im KZ Ladelund getöteten Männer beerdigt. Sein Weg nach Ladelund ist bisher nicht bekannt genauso wenig wie der Sterbeort seines ebenfalls deportierten Sohnes.
1975, vor mittlerweile fast 46 Jahren kamen zwei der Töchter von Jean-Paul Depalle zum ersten Mal nach Ladelund und besuchten das Grab ihres Vaters. Eine der Töchter, Jean-Claude Mercier, beschrieb diesen Besuch und die freundliche Aufnahme durch Pastor Richter. Sie hinterließ im Archiv der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte einen Bericht über das Leben ihres Vaters, seine Verhaftung und die Geschichte der Familie. Sie schließt diesen Bericht mit den Worten „Ich habe den Bericht ohne Hass geschrieben […], man muss versuchen zu vergeben, sonst ist nichts möglich. Aber ein für alle Mal: ‚Nie wieder Krieg!‘“